Domenicali, Claudio: Interview (Archivversion) inter

Ducati-Rennchef Claudio Domenicali, 38, zu den Modifikationen an der Desmosedici.

Was war das Hauptziel bei der Weiterentwicklung der MotoGP-Maschinen?
Ein ausgeglichenes Motorrad zu bauen, mit dem man auf allen Rennstrecken gut zurecht kommt. Verbessern wollten wir vor allem die Fahrbarkeit: Weder Motor noch Fahrwerk sollen
so reagieren, dass sie den Fahrer in Schwierigkeiten bringen. Deshalb gibt der Motor seine Leistung jetzt weniger brüsk ab, und das Fahrwerk bekam ein komplett neues Layout, so dass es sich mit weniger Kraftaufwand als bisher steuern lässt.
Gerüchteweise hieß es, Ducati wolle vom Gitterrohrrahmen zum Brückenrahmen wechseln. Was ist da dran?
Gar nichts, dabei handelt es sich wirklich nur um Spekulationen einiger Journalisten. Wir haben vor der Entwicklung der ersten Desmosedici natürlich auch über einen Brückenrahmen nachgedacht, aber damals gingen wir ja wirklich vom berühmten weißen Blatt aus. Dann haben wir uns für den
Gitterrohrrahmen entschieden, außerdem bekanntermaßen für einen V4-Motor und die desmodromische Ventilsteuerung. Und dabei bleiben wir – wir sind ja bislang nicht schlecht damit
gefahren, oder?
Im Team D’Antin fahren in dieser Saison zwei weitere Ducati-
Piloten, nämlich Neil Hodgson und Ruben Xaus. Wie wird sich das Verhältnis zu diesem Satelliten-Team gestalten?
Dass dort ausgerechnet die bisherigen offiziellen Ducati-Superbike-Piloten starten, ist Zufall. Wir liefern D’Antin die letzte Evolution der 2003er-Desmosedici. Wie weit wir dann zusammenarbeiten, wird sich im Lauf der Saison zeigen. Denn abgesehen davon, dass wir uns über die Leasing-Einnahmen für die Motorräder freuen, ist Ducati selbstverständlich daran interessiert, dass auch diese beiden Desmosedici auf die vorderen Plätze
kommen – hinter den Werksmaschinen, versteht sich.
Sie haben bei Ducati Corse zehn neue Leute eingestellt. Was ist deren Aufgabe?
Das sind Ingenieure und Techniker, die an neuen Instrumenten für die Entwicklung arbeiten. Die Bandbreite dabei reicht vom Computerprogramm bis zum verbesserten Schraubendreher und umfasst alles, was uns die Entwicklung
erleichtert. Das ist wichtig für Ducati
Corse, denn im Grand Prix muss man sein Produkt jedes Jahr deutlich optimieren. Und es ist wichtig für Ducati insgesamt: Die Rennsportabteilung ist sozusagen ein Trainingsraum, in dem man neue Kompetenzen entwickelt, die man später in der Serienproduktion umsetzt.

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