Ducati 748 SPS (Master Bike-VT) (Archivversion) No Limits, alles ist erlaubt

Die Mannschaft ist sich einig: In der offenen Klasse gibt es gleich mehrere Anwärterinnen auf den Gesamtsieg dieses Master Bike. Selbst auf der engen Strecke in Calafat im vergangenen Jahr stellte diese Klasse die Siegerin die Kawasaki ZX-9R. Und auf dem Circuit de Catalunya müßte sich der Leistungsvorteil der Big Bikes rein theoretisch durchweg in schnelle Rundenzeiten umwandeln lassen.Doch grau ist alle Theorie und sportlicher Ruhm in den meisten Fällen leider nur von kurzer Dauer. Ausgerechnet die amtierende Meisterin hat mit den neuen Gegebenheiten überhaupt keine Freude. Leistungsmäßig nur auf mittlerem Niveau der Serienstreuung, kann der bissige Vierzylinder der ZX-9R dennoch überzeugen. Zwar spielt er bei den Topspeed-Messungen am Ende der langen Zielgeraden nicht die allererste Geige, sein spontaner Antritt schon aus mittleren Drehzahlen und der gleichmäßig anhaltende Zug bis in höchste Regionen bescheren ihm trotzdem durchweg gute Noten. Weniger überzeugend ist dagegen die fahrwerksseitige Vorstellung der grünen Dame. Vor allem die Gabel sorgt für regen Unmut unter den sechs Piloten. In den Bremszonen ärgert das Testmotorrad mit dem bei den 1999er Modellen schon für behoben geglaubten Gabelflattern. Und beim Beschleunigen verliert das Hinterrad immer wieder sehr abrupt die Haftung, sobald die kleinste Welle überfahren wird. Bockig das Ansprechen und schlecht die Grundabstimmung der Federelemente, so daß der ohnehin mit der Leistung überforderte Bridgestone nur wenig vertraueneinflößenden Grip aufbauen kann.Von gänzlich gegensätzlichen Charakterzügen geprägt, überrascht die Honda CBR 900 RR mit einem ungewöhnlich forschen Auftritt. Mit der zweitbesten Rundenzeit der offenen Klasse beweist sie einmal mehr, daß Leistung nicht alles ist. Durch ihre »nur« 127 PS ist sie gezwungen, andere Werte in die Waagschale zu werfen. Wie etwa den sanft ansprechenden, extrem durchzugsstark wirkenden Motor. Oder ein tadelloses Getriebe, leichtgängige und ergonomisch perfekt geformte Hebeleien und nicht zuletzt ein prima Fahrwerk, das ein Höchstmaß an Sicherheit vermittelt. Selbst das nicht immer ganz einfache zielsichere Einlenken in langsame Kehren geht der CBR leicht von der Hand. Da dürfen sich die Honda-Verantwortlichen bei ihren japanischen Kollegen aus dem Hause Dunlop ruhig bedanken. Die gewählte D 207 GP-Paarung paßt ausgezeichnet zu der in die Jahre gekommenen Vorreiterin der 900er Bewegung.Taufrisch und frohen Mutes steigt eine große Unbekannte in den Ring. Der Inbegriff von Power, Geschwindigkeit und Macht heißt Suzuki Hayabusa. Über 300 km/h schnell und mit 172 PS die mit Abstand stärkste Waffe in diesem Master Bike-Event. Wer soll diese Kanonenkugel bremsen? Die Antwort ist einfach: Nur sie selbst!Gegen diesen Motor ist kein Kraut gewachsen. Die Hayabusa schiebt dermaßen vehement vorwärts, daß unter Ausnutzung des gesamten Drehzahlrepertoires selbst die Formel eins-bewährte Strecke von Barcelona zum Mickymaus-Kurs mutiert. Kaum gibt man sich der unglaublichen Macht dieses Antritts hin, schon sorgen die heranfliegende nächste Kurve und eine nur mit mäßigem Biß gesegnete Bremsanlage für angstgeweitete Augen. Nur mit viel Kraftaufwand läßt sich der bleischwere Bomber ordentlich verzögern, um anschließend mit ebensolchem Aufwand in Schräglage gezwungen zu werden. Beim Beschleunigen in Schräglage wundert es kaum, daß trotz memmenhaft geöffnetem Gasgriff das Hinterrad nicht in der Spur des Vorderrads laufen will. Dem BT 56 kann diesmal nur wenig angekreidet werden. Schließlich ist er einer der wenigen Reifen, die überhaupt mit den enormen Anforderungen dieser Maschine zurechtkommen. Die Suzuki schlägt sich dennoch tapfer, auch wenn schnell die Erkenntnis die Runde macht, daß sie auf der Rennstrecke wenig Spaß bereitet und ihr Heil doch besser in gemäßigtem Tempo auf der Landstraße suchen sollte.Als tapfer darf auch die Teilnahme der englischen Sportlerin, der Triumph Daytona 955i, eingestuft werden. Obwohl die vornehme Britin sowohl leistungs- als auch punktemäßig nichts zu bestellen hat, kann sie dennoch mit kleinen Highlights glänzen. Dazu gehört neben dem einzigartigen Dreizylinder-Sound eine gute Bremsanlage. Auch wenn nicht alle Fahrer gleichermaßen von den extrem giftigen und super dosierbaren Stoppern begeistert sind.In Sachen Yamaha R1 dagegen herrscht Einigkeit. Nach der Hayabusa die mit Abstand höchste Motorenwertung, ordentlich abgestimmte Federelemente und ein Chassis, das Stabilität und Agilität in einem ausgewogenen Verhältnis vereint. Zwar jagt die R1 nicht ganz so zielgenau wie die beiden Ducati um den Kurs, dafür aber schneller. Mit 1,58.78 Minuten markiert sie die absolute Bestzeit in der Vorrunde und sichert sich so den heiß begehrten Platz im großen Finale.

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