Ducati 900 SS (VT) (Archivversion)

Glauben Sie uns, wir hatten weder zu viel Rotwein getrunken noch italienische Brillen im Gepäck. Sie müssen uns die Geschichte einfach abkaufen. Und seien Sie gewiß - wir waren auch irgendwie betroffen. Aber wie man es dreht und wendet: So eine Ducati 900 SS ist tatsächlich der Inbegriff des straßentauglichen sportlichen Zweizylinders. Dieser verbindliche Schlag der Kolben, diese verbindliche Art der Leistungsentfaltung, dieser absolut verbindliche Sound - da passiert einfach was.Wir hatten Massel, erwischten eine Edel-Nuda mit gemessenen 83 PS und einwandfrei abgestimmtem Motor. Kein zähes, ruckliges Ringen unter 3000/min, sondern verwertbare Leistung von Anfang an. Verglichen mit den neuen Power-Vaus wirkt der Desmo-Motor freilich etwas angestrengt. Würde er etwas freier hochdrehen und ein paar PS mehr abdrücken, wäre das Zweizylinder-Glück perfekt. Zumal sich die spartanisch aufgebaute Supersport auch äußerlich klarer zur Twin-Kultur bekennt: Rank ist sie, schlank ist sie, schön ist sie.Nicht nur schön, stimmt. So mögen manche vielleicht die Nase rümpfen ob dieser Lenkerhälften, die so ein kleines bißchen an Schubkarrengriffe erinnern. Allerdings weiß man die Teile bald zu schätzen: aufrechte Haltung, leichtes Handling, gutes Kontrollgefühl. Wie linientreu die 900 SS über die Fahrbahn donnert, solange selbige makellos ist, das hat schon etwas sehr, sehr Befriedigendes. Schlimm jedoch, wie schlecht das Zentralfederbein anspricht. Auf harte Kanten reagiert die Hinterhand mit derartigen Schlägen, daß selbst der Lenker zu zucken beginnt.Weitere Nachteile der 900 SS: die bißlosen Bremsen, der sabbernde Tank, die trübseligen Kontolleuchten, der miese, federbelastete Seitenständer, diese billigen Lenkerarmaturen, ja, der Blinkerschalter war schon nach 1500 Kilometern im Eimer... Ach, das haben Sie alles schon mal gehört? Wollen wir hoffen, daß auch Ducati die Ohren aufgesperrt hat.

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