Ducati 999, 999 S, 999 R (VT: Rennstrecke) (Archivversion) Ist Geld Zeit?

MOTORRAD-Mitarbeiter und Ex-GP-Pilot Jürgen Fuchs fuhr die drei Ducati 999 und sinniert über den Faktor Euro pro Sekunde.

Im Rennradbau gibt es den STW-Faktor, der das Verhältnis zwischen Gewicht und Steifigkeit des Rahmens bestimmt. Je niedriger der Faktor, desto besser. Heikler wird das Einschätzen des Preis-Leistungs-Verhältnisses bei den hochkarätigen Ducati 999. Die Komplexität von Sportmotorrädern erfordert es, eine Vielzahl von Parametern zu einem optimalen Gesamtpaket zu schnüren.Das beginnt mit der Sitzposition. Ihre Bedeutung wird stark unterschätzt! Wenn alles passt, spart man sich die dicken Unterarme, kann das Körpergewicht gezielt einsetzen, um den Schwerpunkt beim Bremsen, Beschleunigen und in Schräglage dorthin zu verlagern, wo es nötig ist. Viele Fahrwerksprobleme können allein dadurch gelöst werden. Hier sind die 999er vorbildlich! Unzählige Einstellmöglichkeiten bieten für jeden das Passende. Bei unserem Test hat das Verschieben der Tank-Sitzbank-Einheit nach hinten übrigens 0,3 Sekunden gebracht. Nächster Punkt – Motorleistung. Auch wenn es schwer fällt, es zu glauben: Weniger ist oft mehr. Jedes zusätzliche PS bedeutet Mehrarbeit für Fahrwerk und Reifen, ist häufig sogar Gift für die Fahrbarkeit. Nicht bei unseren Ducati. Eine seidenweiche Gasannahme und geschmeidige Lastwechsel erlauben es, jedes einzelne PS auch wirklich umzusetzen. Für die neun und elf PS, welche die S und R der Standard-999 voraus haben, dürfen sich die beiden gute 0,3 Sekunden pro Runde gutschreiben.Das Fahrwerk. Durch den extremen Grip moderner Reifen wird auch der Grenzbereich schmaler. Die Federelemente haben also nicht mehr nur den Job, Unebenheiten wegzubügeln, sondern müssen den Fahrer als Datenübermittler auch über die Haftung der Reifen informieren. Weil jeder Pilot den Grenzbereich auf seine Weise deutet, braucht er ein individuelles Set-up. Mir persönlich hat die Abstimmung der 999 am besten gepasst – die Federraten der Öhlins-Elemente an der R und S waren zu soft.Ein Aufpreis von 3900 oder gar 13200 Euro für eine halbe Sekunde schneller - das mag manch einem irrwitzig erscheinen. Zum Glück kann jeder selbst entscheiden, ob er das Geld ausgibt. Fast alle Rennfahrer, die ich kenne, würden für eine halbe Sekunde ihre Großmutter verkaufen.

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