Ducati Desmosedici MotoGP-Rennmaschine (KV) (Archivversion)

Pechvogel JenknerPlattfußstatt SiegFast hätte die Grand-Prix-Saison 2002 mit einem deutschen Sieg begonnen. Steve Jenkner katapultierte sich beim Start der 125er von Platz acht auf Rang zwei, jagte dem Spanier Dani Pedrosa in Kurve drei die Führung ab und war schon nach einer halben Runde über alle Berge. »Ich dachte, irgendeiner wird mich schon überholen. Aber da kam keiner«, schilderte Stevie Wonder, der bereits beim verregneten Assen-GP im letzten Jahr mit Platz drei für Furore gesorgt hatte. Nach sieben Runden war die Herrlichkeit allerdings vorbei: Jenkner hatte mehrere schlimme Rutscher, machte einen schleichenden Plattfuß am Hinterrad aus und fuhr schließlich zu einem Reifenwechsel an die Box, nach dem er noch Platz 15 rettete. »Ich habe mir ein Metallstück eingefangen, eine abgebrochene Unterlegscheibe«, schimpfte er. »Das Gefühl war abscheulich. Bei den ersten Rutschern dachte ich noch: Es fängt sich wieder. Doch dann stand ich in einer Fünften-Gang-Kurve so quer, dass ich schon die Augen zu hatte!«Klaus Nöhles erreichte beim GP-Comeback trotz eines Blindflugs wegen seines angelaufenen Visiers Rang zwölf, Teamkollege Jarno Müller stürzte gleich zweimal.Zuschauer HeidolfZumHeulenWas Katja Poensgen im Vorjahr sensationell geglückt war, blieb dem diesjährigen deutschen Rookie Dirk Heidolf versagt: Die Qualifikation für den Japan-Grand-Prix. Ab Freitagnachmittag wurde seine 250er-Aprilia von hartnäckigen Aussetzern im sechsten Gang geplagt, die sich auch durch einen Motorwechsel nicht abstellen ließen. »Ich könnte heulen«, meinte Teammanager Dieter Stappert finster. »Bei Tests haben wir 2000 Kilometer abgespult, doch jetzt, wo wir im Licht der Öffentlichkeit stehen, sehen wir aus wie die größten Esel. Nun denkt jeder, ohne Sepp Schlögl geht es nicht«, spielte er auf den zum Saisonende 2001 ausgeschiedenen Cheftechniker an. Weil Heidolf im ersten freien Training am Freitagmorgen noch eine ausreichend schnelle Runde von 2.16,7 Minuten geglückt war, versuchte Stappert bei Renndirektor Paul Butler, seinen Schützling unter Erwägung »außergewöhnlicher Umstände« doch noch ins Rennen zu hieven. Fahrervertreter Franco Uncini winkte allerdings ab und verwies, Heidolf habe zu wenige Runden absolviert, sein Renneinsatz sei zu gefährlich. »Auch wenn ich nichts dafür kann: Es ist beschissen, wenn man die Erwartungen nicht erfüllen kann«, ließ Heidolf den Kopf hängen.Ducati DesmosediciPräsentation in Mugello Ducati hat erste Fotos der kompletten MotoGP-Maschine veröffentlicht, die 2003 mit einem desmodromisch gesteuerten V-Vierzylinder in die WM kommen wird. Nach Ducati-Tradition hängt der Motor in einem Stahl-Gitterrohrrahmen. Zur Zeit laufen intensive Windkanaltests mit der Maschine. Öffentlich präsentiert wird der Renner erstmals am 30. Mai vor dem Mugello-Grand-Prix, und auch bei der World Ducati Week vom 14. bis 16. Juni in Misano ist das Hightech-Bike zu bewundern.Privatfahrer LocatelliKeinGeldRoberto Locatelli, im Jahr 2000 als 125-cm3-Weltmeister gefeiert und 2001 einer der viel versprechendsten 250er-Piloten, backt derzeit kleine Brötchen. Weil der Italiener die Leasinggebühr von rund 800 000 Euro nicht auftreiben konnte, hielt Aprilia seine Werksmaschinen zurück. Erst am Donnerstag traf per Luftfracht ein mit knapp 300 000 Euro klar billigerer Production-Racer mit Spezialkit in Japan ein, auf dem Locatelli den 16. Platz belegte. »Wir bestehen auf Vorauskasse«, erklärte Aprilia-Renndirektor Jan Witteveen, der auch beim spanischen Telefonica MoviStar 250-Team mit Fonsi Nieto und Toni Elias längst in voller Höhe abkassiert hatte.Garry McCoyTürstopper-TechnikNach seinem Schienbeinbruch in Estoril Anfang März humpelte Garry McCoy immer noch am Krückstock durchs Fahrerlager und brachte sein rechtes Bein nicht wie gewünscht auf der Fußraste unter. Um es etwas abspreizen zu können und trotzdem sicheren Halt zu haben, ließ sich der Australier ein Gummipolster montieren. Seine findigen Mechaniker nahmen eine Anleihe bei der Bauindustrie: Sie schraubten zwei abgeschrägte Türstopper auf die Fußraste. Im Rennen rutschte McCoy nicht von der Raste, sondern von der Piste: Sturz in der dritten Runde.Honda RC 211 VKeineGeheimnisseHonda-Werkspilot Tohru Ukawa stürmte bei den IRTA-Tests in Suzuka laut einem Ausdruck der Zeitmessung mit 340,5 km/h durch die Lichtschranke. Weil die Fünfzylinder-Prototypen nur auf 315 km/h übersetzt sind, war das ebenso eine Ente wie das Gerücht, die drei vorderen Zylinder hätten eine kleinere Bohrung als die beiden hinteren. »Völlig falsch: Alle fünf Zylinder und Kolben sind gleich. Sonst gerieten unsere Materialkosten außer Kontrolle«, dementierte Entwicklungschef Heijiro Yoshimura. Derbi-Konstrukteur Harald Bartol hatte gesehen, dass die beiden Auspuffendstücke den gleichen Durchmesser hatten und folgerte, die beiden Zylinderbänke müssten demnach auch den gleichen Gesamthubraum haben. »Das ist logisch gedacht«, räumte Yoshimura ein. »Wenn die Entwicklung weitergeht, werden wir die Größe der Schalldämpfer überdenken müssen. Derzeit beschert sie uns jedoch keine Probleme.«

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