Ducati GT 1000 Nach-Schlag

Die Letzten werden die Ersten sein? Warten wir es ab. Im Sommer 2006 soll jedenfalls die zweisitzige GT 1000 als Ducatis dritter und letzter Typ der Retro-Serie »Sportclassic« erscheinen. Ihre beiden sportlichen Schwestern sind bereits im Handel, die Fahrberichte gab es in MOTORRAD 22/2005: eine Verbeugung vor der unverhüllten Sport 1000 und der halbverkleideten Paul Smart 1000 Limited Edition. Beides Einsitzer, die historischen Vorbildern folgen: der Sport 750 von 1973 und der legendären Super Sport 750 von 1974.
Schon 1971 jedoch hatten die Italiener die GT 750 vorgestellt. Diese war Ducatis erstes Modell mit dem seinerzeit neuen, sensationellen Königswellen-V2 und diente als Vorbild für die 2006er-GT 1000. Aus heutiger Sicht ist die Behauptung sicher nicht übertrieben, dass dieser Motor für Ducati die Rettung war. Denn die früher erfolgreichen, kleineren Einzylinder-Triebwerke hatten allmählich ausgedient. Und die Apollo, ein für damalige Verhältnisse gewaltiger Tourer mit 1240 cm3 großem V4, war Mitte der 60er gescheitert, nachdem die Finanzierung sich schwierig gestaltete und am Ende auch keine Reifen gefunden wurden,
die den 100 PS und Geschwindigkeiten deutlich über 160 km/h standhielten.
In dieses Antriebsvakuum platzierte Ducatis genialer Motoren-Konstrukteur Fabio Taglioni den 750er-V2, quasi als halbierten V4. Er ist samt desmodromischer Ventilsteuerung bis heute Kennzeichen aller Serien-Ducs. Auch wegen der nach vorn geneigten Anordnung mit liegendem und stehendem Zylinder, weswegen er von Ducati gern als L-Twin bezeichnet wird.
Der Antrieb aller drei Sportclassic-Modelle stammt aus Monster und Multistrada 1000, ist luftgekühlt, hat Doppelzündung und leistet 92 PS bei 8000 Touren.
Anders als früher treiben Zahnriemen statt der aufwendigen Königswellen die Nockenwellen an. Exklusives Kennzeichen der GT ist neben der Doppelsitzbank ein höherer Rohrlenker statt der tief angebrachten Lenkerstummel. Außerdem hat sie Stereo-Federbeine und zwei verchromte Auspufftüten links und rechts. Wie früher eben.
Dagegen haben die Mono-Federbeine der Sport und Paul Smart sowie deren rechts übereinander gestapelten Schalldämpfer kein Vorbild. Für liierte Fans von klassischen Sportlern schiebt Ducati im Sommer 2006 von
der Sport 1000 eine zweisitzige Biposto-Version nach. Dazu soll das zulässige Gesamtgewicht von momentan nur 320 Kilogramm erhöht werden. Und wer mit der
Paul Smart liebäugelt, muss sich beeilen: Wenn die
2000 Exemplare der Limited Edition gebaut sind, folgt
ab Fahrgestell-Nummer 2001 eine einfacher gestrickte Standard-Version. Ohne edles Öhlins-Fahrwerk, aber laut Ducati zum gleichen Preis von immerhin 14550 Euro. Da beißen wohl eher den Letzten die Hunde. tsr

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