Ducati Monster S2 R 1000 (Test Compact) (Archivversion)

Monster sind, wie man weiß, gefräßig und nicht satt zu kriegen. Seit nunmehr 13 Jahren setzt ein Naked Bike
dieses Namens äußerst erfolgreich nicht nur italophilen Bikern den Muss-ich-haben-
Floh ins Ohr. Die Befallenen sind widerstandslos und kaufen. Das Perfide an
der Geschichte ist der Umstand, dass eine
Immunisierung kaum möglich ist, denn die Monster mutiert ständig zu neuen Versionen. Mal schrumpft die Zahl der Schwingenarme, dann verdoppeln sich die Zündkerzen. Zu guter Letzt wuchs die Zahl der Hubraumvarianten permanent: 600, 620, 750, 800, 900 und jetzt 1000 Kubik. Und das sind nur die luftgekühlten Versionen. Powerfreaks lockt sie mit den wassergekühlten Vierventil-Twins. So gesehen wäre »Virus« eigentlich der passendere Name gewesen.
Als gelungener Kompromiss zwischen Motorleistung und Kaufpreis kann die neue Monster S2R 1000 betrachtet werden.
Die Einarmschwinge sowie der rechts-
seitig verlegte Auspuff stammen von der
S4R, ebenso die bis auf die Druckstufe des Federbeins voll einstellbaren Federele-
mente. Der formidable Doppelzündungs-V2 begeistert mit vibrationsarmem Lauf,
linearer Leistungsabgabe und Drehfreude sowie Dampf in der Mitte schon in der
Multistrada und den Klassik-Ablegern Paul Smart und Sport 1000. Das Getriebe schal-
tet sich knackig und exakt, allein die be-
nötigte Kupplungskraft macht Stop-and-go-Fahrten zur Tortur.
Allen Jungbrunnenbesuchen zum Trotz kann die Monster ihr wahres Alter jedoch nicht verleugnen, schließlich stammt der Rahmen in seinen Grundzügen aus dem seligen Superbike 851: Die Sitzposition ist stark gestreckt, der Fahrer muss sich weit nach vorn beugen, um den Alu-Lenker zu erreichen. Zudem fährt sich das Monster nicht besonders handlich und benötigt
viel Einsatz beim Einlenken, soll es hurtig vorangehen. Tadellos dagegen die Schräglagenfreiheit. Und mit dem neuen Auspuff schrabbelt nichts mehr.
Die Bremskomponenten sind ebenfalls nicht die jüngsten Konstruktionen, was sich in stumpfer Wirkung trotz deutlicher Handkraft bemerkbar macht. Dafür ist die Fahrstabilität über jeden Zweifel erhaben
Bei einem Naked Bike hat der Windschutz naturgemäß keine Priorität, umso mehr freut man sich über die kleine Cockpitverkleidung, die den Winddruck etwas mildert. Das Thema Soziustauglichkeit sei mit der Bemerkung abgehandelt, dass der Zweipersonenbetrieb wohl grundsätzlich möglich, jedoch auf Dauer nicht wirklich empfehlenswert ist.
Zum Glück konnte sich die Monster bislang weitgehend der immer stärker um sich greifenden Digitalisierungsseuche erwehren, und so blickt der Fahrer auf zwei schlichte und schnörkellose Rundinstrumente, die ihn mit allem Wissenswerten versorgen – zum Beispiel Uhrzeit und
Öltemperatur. Wer nun glaubt, mit der
Ausgabe von 10045 Euro den Hunger der Monster gestillt zu haben, der irrt. Jetzt frisst das Tier Kilometer, am liebsten auf kleinen, kurvigen Landstraßen. sgl

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