Rupert Stadler: Antrittsbesuch in Bologna Ducati-Übernahme durch Audi

Die Zustimmung durch die Kartellbehörden weltweit ist erfolgt - jetzt kann sich der deutsche Autobauer Audi, der Ducati im April für schätzungsweise 860 Millionen Euro gekauft hatte (motorradonline berichtete), auch offiziell im Werk in Bologna sehen lassen.

Foto: Ducati

 

Der privat und sehr persönlich gehaltene Antrittsbesuch von Audi-Boss Rupert Stadler und Personalvorstand Thomas Sigi bewegte die Ducati-Werker: „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass die uns so ernst nehmen und uns mit so viel Respekt behandeln“, sagte ein Gewerkschaftsvertreter.

Dass diese erste Begegnung auch noch die letzte Skepsis bei Ducati zerstreute und die Belegschaft mit Freude der endgültigen Übernahme entgegenblicken lässt, lag vor allem an Big Boss Stadler. Klug verzichtete er auf jeden Medienrummel und widmete sich lieber den Arbeitern und Angestellten. Obwohl des Englischen mehr als kundig, hielt er seine Rede vor den rund 1000 Beschäftigten lieber auf Deutsch und ließ sie simultan dolmetschen, damit, wie er sagte, auch nicht die kleinste Nuance verloren gehe.

 

„Wie bei einer Liebesgeschichte ist es auch bei der Beziehung zwischen zwei Firmen ein guter Anfang wichtig“, sagte Stadler. Er sprach von der Leidenschaft für ein herausragendes Produkt, die beide Hersteller ebenso verbinde wie die wechselvollen Firmengeschichten, die positive, aber auch schwierige Momente gebracht habe. „Wir werden uns ergänzen“, versprach er seinen Zuhörern, „und uns gegenseitig inspirieren dank unseres gemeinsamen Interesses, hochwertige und leistungsstarke Motoren und immer leichtere Fahrzeuge zu bauen.“ Komplimente verteile Stadler auch: Er wisse, dass er es bei Ducati auf ein außergewöhnliches Team von Mitarbeitern treffe, das den weltweiten Erfolg des kleinen Herstellers erst möglich gemacht habe.

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Foto: Ducati

 

Nach diesem erfolgreichen ersten Auftritt ist Audi in Bologna noch willkommener als zuvor. Versuche der italienischen Medien, unter der Belegschaft und bei der Bevölkerung Widerstand gegen die Übernahme durch den deutschen Konzern zu schüren, liefen bereits in den letzten Wochen ins Leere und haben jetzt erst recht keine Chance mehr. „Zufriedener könnten wir gar nicht sein“, sagt Lidia Barbieri, früher Arbeiterin im Werk und heute in der Organisation der Ducati-Clubs aktiv. „Endlich gehört Ducati einem Konzern, der was von der Sache versteht, langfristig plant und vor allem investiert.“ 

Bereits im Lauf der nächsten Woche soll die Zusammensetzung der neuen Geschäftsführung bei Ducati bekannt gegeben werden. Gerüchten zufolge soll der derzeitige Chef Gabriele Del Torchio, den der bisherige Besitzer, der Finanzfonds Investindustrial, eingesetzt hatte, noch mindestens bis Jahresende bleiben. An drastischen schnellen Änderungen scheint Audi nicht interessiert.

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