Übernahmegerüchte in Italien Ducati und Piaggio bald zusammen?

Neben der mit Spannung erwarteten Entscheidung über die Zukunft von MV Agusta beschäftigt sich Italiens Presse derzeit auch mit zwei anderen heimischen Herstellern: mit Piaggio und Ducati.

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Foto: Hersteller
Das Mailänder Wirtschaftsblatt "Milano Finanza"  verbreitete jüngst die Meldung, die renommierte Unternehmensberatung McKinsey arbeite an einem Plan zum möglichen Zusammenschluss der beiden Unternehmen. Piaggio mit Hauptsitz in Pontedera in der Toskana, größter Rollerhersteller Europas und Konzernmutter von Aprilia und Moto Guzzi, ist mehrheitlich im Besitz des Finanziers Roberto Colaninno, der Bologneser Hersteller Ducati gehört einem Finanzfonds unter Führung der Familie Bonomi. Während Piaggio die Meldung postwendend dementierte und Colaninno verbreiten ließ, er habe "kein Interesse an Ducati", gab es aus Bologna keine Stellungnahme: "Gerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht", sagte ein Ducati-Sprecher. Allerdings scheint ein solcher Zusammenschluss eher unwahrscheinlich, denn Piaggio hat mit Aprilia bereits eine Motorradmarke mit sportlicher Ausrichtung an Bord und konzentriert sich derzeit ohnehin mehr auf das Geschäft in Asien. So wird in Vietnam seit Juni 2009 in einem eigenen Werk die Vespa produziert. Börsenanalysten rechnen damit, dass allein Piaggios Zweiradgeschäft in Asien im Jahr 2010 neun Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen wird.  In Indien, wo Piaggio ebenfalls Werke unterhält, steigt der Absatz der dort produzierten dreirädrigen Fahrzeuge derzeit kräftig. Bleibt China, wo Piaggio kürzlich ein Abkommen mit Dongan Power schloss, einem der größten Hersteller des Landes im Automobilbereich. Die Chinesen werden einen Vierzylinder-Motor mit 1300 ccm für Piaggios vierrädrigen Porter bauen, der sowohl in Asien als auch in Europa produziert und vor allem von kleinen Händlern und Gewerbetreibenden als günstiges Transportfahrzeug genutzt wird.
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Foto: Ducati
Doch abgeben will Colaninno die Gruppe dem Vernehmen nach nicht. Vor wenigen Wochen hatte er bereits Gerüchte dementiert, nach denen er bei Piaggio aussteigen wolle, um sich nur noch auf die italienische Fluggesellschaft Alitalia, deren Präsident er ist, zu konzentrieren. Damals wurde als Kaufinteressent die Zongshen Industrial Group aus China genannt, mit der Piaggio bereits durch ein Joint Venture verbunden ist.
Bleibt Ducati. Auch um die Bologneser gibt es immer wieder Verkaufsgerüchte, die sich in letzter Zeit verstärkten, weil der Hersteller die Zahl seiner rund 1000 Beschäftigten um etwa 60 reduzieren will, immerhin hauptsächlich durch Vorruhestandsregelungen.  Manche Gewerkschafter vermuten daher, dass die Eignerfamilie Bonomi das Werk für einen bevorstehenden Verkauf fit machen möchte. Doch um wen es sich dabei handeln könnte, darüber gibt es derzeit noch nicht einmal im plauderfreudigen Italien Gerüchte.

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