Duell offroad (Archivversion) ... werden Alleskönner immer den Kürzeren ziehen

Nach dem Auslaufen der KTM LC4 Enduro in diesem Jahr rückt die Husqvarna TE 610 in die vakant gewordene Nische der hubraumstarken offroad-orientierten Hard-Enduros. Immerhin ist auch die Italienerin ein Urgestein der Viertakt-Off-roader, hat in modellgepflegten Variationen über 20 Dienstjahre auf dem Buckel. Und obwohl mäßige Verarbeitung und immer wiederkehrende wirtschaftliche Probleme des Mutterkonzerns MV Agusta den Verkaufserfolg der Husky einbremsten, gilt die TE zumindest abseits der Straße der Konkurrentin aus Österreich überlegen.
Freilich, wegen der Euro-3-Norm musste sich die Husky auf 53 PS Spitzenleistung – das Vorgängermodell leistete neun PS mehr – einbremsen lassen und liegt damit auf dem Niveau der Xchallenge. Bleiben auf dem Papier gut 1000 Euro günstigerer Anschaffungspreis und mit vollgetankt 149 Kilogramm ein Gewichtsvorteil von zehn Kilo gegenüber der Bayerin. Den die Husqvarna auch zu nutzen weiß. Die TE lässt sich auf engem Terrain entschieden zielgenauer und agiler fahren als die Xchallenge. Gerade in Kurven ohne Anlieger verspürt der hoch thronende BMW-Pilot eine gewisse Kippeligkeit. Subjektiv scheint die Gewichtsdifferenz zur Husky noch größer auszufallen.
Nach dem eigentümlichen Verhalten des Conti-Federbeins auf der Straße (siehe vorherige Doppelseite) rehabilitiert es sich ausgerechnet im stressigen Offroad-Betrieb. Komfortabel auf kleine Wellen ansprechend, arbeitet der Monoshock auch auf gröber gefurchtem Terrain feinfühlig und schlägt letztlich nur bei harten Landungen durch. Die Erklärung: Das Federbein baut erst bei den im Gelände provozierten schnellen Einfederbewegungen genügend Druckdämpfung auf und unterstützt damit das als Feder dienende Luftpolster. Obendrein bleibt das wegen des geringen Negativfederwegs befürchtete Kicken des Hecks in Anbremswellen aus. Die Gabel zeigt sich ebenfalls versöhnlich. Sie arbeitet zwar immer noch auf der weichen Seite, spricht aber sehr sensibel an. Insgesamt pirscht sich die BMW mit der Conti/Marzocchi-Kombo nah an die Husky heran, kann deren ausgesprochen harmonische Abstimmung aber nicht toppen.
Dafür glänzt die BMW mit ihrem Motor. Seine Haltbarkeit hat der Single schon tausendfach in den F-Modellen bewiesen. Und den satten Druck aus dem Drehzahlkeller sowie die damit verbundene gute Kontrollierbarkeit kann die Husqvarna auch nicht durch eine gleichmäßigere Leistungsabgabe und größere Drehfreude parieren. Was ihr in Sachen Detailliebe erst recht nicht gelingt. An die wertige Verarbeitung der Xchallenge kommt die Italienerin bei weitem nicht heran. Unterm Strich schmettert die Husky aber vor allem aufgrund ihres Gewichtsvorteils, der ins Motorrad integrierten Sitzposition und der im Vergleich überlegenen Handlichkeit den Angriff der Xchallenge auf die Offroad-Bastion ab.

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