Duolever-Umbau von Emil Schwarz (Archivversion) Kugelkopf-Arbeit

Eine verbesserte Vorderradführung verspricht BMW bei den aktuellen K-Modellen. Zwei Kugelköpfe auf den beiden dreieckigen Längslenkern dienen als Lenkachse des Duolevers. Eine Lösung, der »Lager-Papst« Emil Schwarz skeptisch begegnet: »Ein Gleitlager als Lenkung funktioniert nicht!« Hin- und Herbewegung baue schließlich keinen Schmierfilm auf. Daher schickt der gewiefte Tüftler die Kugelköpfe in Rente und entkoppelt die Einfeder- von der Lenkbewegung.
Seine radikale Lösung: Die Gabel dreht sich bei Lenkbewegungen um eine Achse in spielfreien Nadellagern sowie in einem Kegelrollenlager und einem Axialkugellager. Hinzu kommen hochpräzise gelagerte, aus dem Vollen gefräste Längslenker aus Aluminium. Obwohl das System aus mehr Einzelteilen besteht, sei es 700 Gramm leichter als die Originalteile. Was die ungefederten Massen senkt und den Federungskomfort erhöhen kann. Klingt kompliziert? Nun, was zählt, ist die Praxis.
Da fällt zunächst auf, wie leicht sich das entlastete Vorderrad der modifizierten K 1200 S lenken lässt. Das Losbrech-moment fällt sehr klein aus. Allerdings hat Schwarz bei seiner Maschine zusätzlich den Standard-Lenkungsdämpfer ausgebaut, der naturgemäß die Lenkkräfte erhöht. Was die Vergleichbarkeit mit einer parallel gefahrenen, serienmäßigen K 1200 R erschwert. Zumal die oben abgebildete S auf Metzeler Sportec M1 (Sonderkennung »B«) rollt, die R hingegen auf Bridgestone BT 014 »F«. Immerhin, beide hinten in 190/50er-Format auf Sechs-Zoll-Felge.
Und die Unterschiede? Die Serienmaschine ist wesentlich indifferenter beim Einlenken und in puncto Lenkpräzision. Außerdem bietet sie deutlich weniger Rückmeldung in Schräglage, was unangekündigte Rutscher begünstigt. Beim extrem harten Anbremsen stuckert und stempelt die Serienfront stärker. Dagegen ist die Schwarz’sche K viel präziser, direkter und zielgenauer, vor allem bei schneller Fahrt. Ferner läuft sie Längsrinnen weniger nach und bleibt beim harten Anbremsen stabiler. Und die Taumeltendenz bei langsamer Fahrt ist verschwunden. Toll.
Die Kehrseite: In langsam gefahrenen Kurven kippt die modifizierte K selbsttätig weiter in Schräglage ab. Dieses »zu leichte« Einlenken erfordert ständiges Gegendrücken, was durchaus etwas Eingewöhnung erfordert. Aber angesichts der möglichen Vorteile hat BMW bereits beim schwäbischen Tüftler angeklopft. tsr

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