Einarm-Vorderradgabel Zugnummer

Wo auch immer Richard Wibmer mit seiner Triumph Speed Triple auftaucht, zieht er alle Blicke auf seine T 509. Die besitzt nämlich eine Einarmgabel mit gezogener Schwinge.

Alternativen zur Teleskopgabel als Vorderradführung wurden in MOTORRAD schon oft vorgestellt. Und deren Erbauer sind fast immer davon überzeugt, mit ihrer Erfindung das Ende der Telegabel einzuleiten, weil ihr System der konventionellen Bauart fahrtechnisch weit überlegen sei.
Ganz anders der selbständige Maschinenbaumeister und namensgebende Geschäftsführer der Firma RIWI Motor- und Fahrwerks-Tuning Richard Wibmer aus Innsbruck: »Ich will mit meiner Konstruktion nicht die Telegabel verdrängen, sondern für Technikfreaks eine optisch ansprechende Alternative schaffen.« Und das ist ihm offensichtlich gelungen. »Wenn sich entgegenkommende Motorradfahrer nach meiner Speed Triple umschauen, hätte es beinahe schon den einen oder anderen Auffahrunfall gegeben.« Kein Wunder, denn die passend zur Triumph in hellgrün gehaltene Vorderradaufhängung sticht sofort ins Auge. Doch erst im Stand lassen sich die wahren Ausmaße des technischen Wunderwerks bestaunen.
Von der rechten Seite aus betrachtet gewährt die RIWI-Triumph freien Blick auf die Räder. Keine Aufhängung behindert die Ansicht des Vorderrads. Auch hinten gibt der nach oben verlegte Schalldämpfer die Sicht auf das in der Serien-Einarmschwinge der Triumph geführte Hinterrad - momentan noch im Serientrimm - frei.
Am unteren Ende der aus Stahlblechprofilen zusammengeschweißten Einarmgabel führen zwei vorgespannte Kegelrollenlager eine Kurzschwinge. Die stützt sich über ein Bitubo-Federbein mit 130 Millimetern Federweg an der Gabel ab. An der Radnabe ist ein Ausleger drehbar gelagert, der die beiden Vierkolbenbremssättel aufnimmt. Eine Druckstrebe stützt den Ausleger gegen die Gabel ab und sorgt so für einen weitgehenden Bremsnickausgleich. Ungewolltes Kickback soll ein Lenkungsdämpfer im Keim ersticken.
Neben der Kurzschwinge, dem Ausleger und den Bremssätteln sind die Bremsscheibenaufnahme und der Dreispeichenstern des Verbundrades aus dem vollen Aluminium gefräst. Bei den Bremssätteln mit unterschiedlichen Kolbendurchmessern konnte der Tiroler nicht einfach ins Zubehörregal greifen, da bei seiner Konstruktion die Befestigungspunkte spiegelbildlich ausfallen. Die patentierte einzelne Bremsscheibe mit 320 Millimetern Durchmesser besteht aus zehn Einzelsegmenten.
Keine Experimente ging Richard Wibmer bei der Fahrwerksgeometrie ein. Radstand, Nachlauf und Lenkkopfwinkel entsprechen den Originalwerten. Bis jetzt liegt das Gewicht noch 3,8 kg über dem der Serienkonstruktion. Bis zum Anlauf einer Kleinserie soll das Gewicht durch eine gezielte Konstruktion im Detail unter das der Serie gedrückt werden.
Bereits beim Rangieren mit dem breiten Lenker fällt der gegenüber der Serien-Triumph wesentlich größere Lenkeinschlag auf. Das Wenden wird selbst auf schmalen Straßen zum Kinderspiel. Auf den ersten Metern über wellige Fahrbahn überzeugt die neue Vorderradaufhängung auch durch ein deutlich sensibleres Ansprechverhalten. Beim Abbremsen aus höheren Geschwindigkeiten spürt der Fahrer eine leichte Verwindung der Einarmkonstruktion und muß leicht nach links gegenlenken. Durch die Bremsmomentabstützung taucht die Front selbst bei starkem Verzögern nur minimal ein.
Selbstverständich strebt Richard Wibmer für seine Schöpfung eine allgemeine Betriebserlaubnis an. Die Dauerfestigkeits-Untersuchungen an der technischen Universität Innsbruck sind bereits abgeschlossen und der Segen des TÜV nur noch eine Frage der Zeit. Eine echte Hürde stellt der Preis von zirka 10.000 Mark dar. Doch da hat der Erbauer wenig Bedenken: Entweder die Leute lehnen das System rundweg ab oder stimmen bedingungslos zu. Damit scheint er recht zu behalten, denn einige Kunden haben bereits fest geordert.

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