Enrico D’Onofrio Spionage-Affäre bei MV Agusta

Foto: MV Agusta
Nach Ferrari hat nun auch Ducati seine Spionage-Affäre – wenn auch naturgemäß in kleineren Dimensionen. Auf Anzeige des Herstellers hin ermittelt die Staatsanwaltschaft Bologna gegen Enrico D’Onofrio, bis vor einem Jahr Finanzchef von Ducati, seit 1. Mai Geschäftsführer von MV Agusta. Der Vorwurf: Verrat von Industriegeheimnissen, unrechtmäßiger Wettbewerb und Diebstahl. Wohnung und Büro von d’Onofrio in Varese wurden Anfang der Woche durchsucht, ein Computer in seiner Wohnung beschlagnahmt.

D’Onofrios Anwalt Alessandro Diddi teilte unterdessen mit, sein Mandat habe keinesfalls „Zeichnungen oder Projektbeschreibungen neuer Motorrad- oder Motorenmodelle mitgenommen“. Im Computer befänden sich zwar tatsächlich Daten von Ducati, doch als Finanzexperte habe sich d’Onofrio nur mit Bilanzen und Zahlen beschäftigt – und die seien ohnehin öffentlich zugänglich. Eine Stellungnahme zu den Vorgängen gibt es weder von Ducati noch von MV Agusta, ebenso wenig von MV-Eigentümer Harley-Davidson. Ducati hatte bereits am 7. April Strafanzeige gestellt, wenige Tage nach der Berufung von d’Onofrio zum Geschäftsführer von MV; sein Vorgänger Matt Levatich kehrte zurück zum Mutterkonzern in die USA. Eine gewisse pikante Note bekommen die Vorgänge, weil Ducati bis 1996 Claudio Castiglioni gehörte, damals Cagiva- und Husqvarna-Eigentümer, später Gründer von MV und bis heute Präsident der Marke. Von Ducati schied Castiglioni nach der Übernahme durch den US-Fonds TPG im Unfrieden und ist den Bolognesern seither in herzlicher Abneigung verbunden.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel