Erlkönig BMW R 1200 S (Archivversion) Test-Ride

BMW testet den neuen Sport-Boxer bereits auf öffentlichen Straßen. Und ist damit in so beliebten Ferien- und Motorradregionen wie dem Stubaital unterwegs. Kein Wunder, dass die Testfahrer dort unseren aufmerksamen Lesern ins Netz gehen.

Der neue Sport-Boxer, die BMW R 1200 S, scheint kurz vor der Serienreife zu stehen. Die beiden von Leser K. abgelichteten Maschinen wirken bereits weit jenseits des Prototypenstadiums. Nichts mehr erscheint improvisiert, getarnt wird lediglich noch marginal mit ein paar Klebestreifen. Und es zeigt sich, dass die Computerretusche, die MOTORRAD in Ausgabe 10/2005 veröffentlichte, dem neuen Modell bereits sehr nahe kam.
Das Design ändert sich nicht radikal. Wie bei der alten R 1100 S wird der ganzen Technik eine lang gezogene Kunststoffkarosserie übergestülpt, die nur verhalten sportlich wirkt. Die Tank-Verkleidungs Kombination geriet erneut reichlich bauchig und breit. Ein Kunstgriff, mit dem die Designer wohl vom breit bauenden Boxer ablenken wollen. Die Sitzbank ist BMW-untypisch stark gestuft und gibt dem Passagier einerseits eine gute Übersicht, andererseits weniger Kontakt zum Fahrer als bisher. Mit in den Spiegeln integrierten Blinkern und LED-Rücklichtern halten aktuelle Stilelemente des Sportmaschinenbaus nun auch bei BMW Einzug.
Die bereits aus der GS, der ST und der RT bekannte Antriebseinheit aus Vierventil-Boxer, Sechsganggetriebe und Leichtbaukardan mit Einarmschwinge wird für den Einsatz in der sportlichsten aller Boxermaschinen auf Leistung getrimmt. Mächtig dicke Krümmer, ein Zwei-in-eins-Vorschalldämpfer unter dem Getriebe mit integriertem Katalysator und ein an die Ducati 999 erinnernder Endschalldämpfer unterm Heck zeugen von viel Feinarbeit im Abgastrakt.
Ansaugen darf der etwa 120 PS starke Motor durch kleine Öffnungen seitlich in der Verkleidung. Das verspricht einen Ram-Air-Effekt bei hohen Geschwindig-keiten. Die höhere Leistung gegenüber R 1200 RT und ST (jeweils 110 PS) erzielten die BMW-Entwickler durch überarbeitete Zylinderköpfe und eine moderat angehobene Nenndrehzahl. Im Vergleich zur alten Boxer-Generation sorgen beim 1200er-Triebwerk neben der Hubraumerhöhung eine deutlich angehobene Verdichtung sowie eine zylinderselektive Klopfregelung für eine Leistungssteigerung von immerhin 20 Prozent. Allerdings benötigen die neuen Boxer Super-Plus-Kraftstoff.
Das Fahrwerk der R 1200 S unterscheidet sich konstruktiv wenig von der R 1200 ST. Wie bei dem Sporttourer kümmern sich zu einem Gitterverbund verschweißte Stahlrohre um den festen Halt von Sitzbank, Anbauteilen und oberen Lenklagern. Die Schwinge und der A-Lenker der Paralever-Vorderradführung lagern direkt im tragend ausgeführten Motorblock. Zumindest die Versuchsfahrer von BMW durften die S mit Öhlins-Federbeinen fahren. Wollen wir hoffen, dass die Kunden ebenfalls in den Genuss solch edler Federelemente kommen. Da Leichtbau seit einiger Zeit bei BMW wieder ein Thema ist, wird die R 1200 S gut 20 Kilogramm leichter als das 1100er-Modell. Unter 220 Kilogramm – ohne das wahrscheinlich optionale ABS – vollgetankt sind angestrebt, und so soll sich der Sport-Boxer zu den leichteren Zweizylinder-Sportmaschinen gesellen.

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