»Erst der Anfang«

Grand-Prix-Experte Jürgen Fuchs, ehemaliger 250er-WM-Fahrer und heute TV-Kommentator, analysiert für MOTORRAD die neue MotoGP-WM.

Ich muss gestehen, auch ich hatte die Befürchtungen, dass Rossi nach den eindrucksvollen Wintertests in der MotoGP-WM einen klaren Durchmarsch zum nächsten Titel machen würde. Bis zu zwei Sekunden hatte er seiner Konkurrenz mit der Fünfzylinder-Honda abgenommen. Und schon war es geboren, das Schreckgespenst der unschlagbaren Honda. Bei der Ankunft hier in Suzuka konnte ich bereits am Donnerstag den Gesprächen mit MotoGP-Piloten, Mechanikern und selbst erfahrenen Technikern und Journalisten die Erfurcht vor Hondas Aufsehen erregender Neuentwicklung entnehmen. Aber siehe da: Im Abschlusstraining trennten den Ersten und den Letzten des gesamten MotoGP- Starterfeldes gerade mal 2,904 Sekunden. Das ist Rekord in der Geschichte der Königsklasse. Am Ende hatte zwar Rossi wieder die Nase knapp vorne, doch weder die Zeitrückstände noch die unterschiedlichsten Motorenkonzepte der Konkurrenz zeigten dabei irgendwelche Auffälligkeiten. In den letzten Trainingsminuten haben doch wieder alle Piloten ihre Motorräder an die physikalischen Grenzen gejagt. Fahrwerkschwächen und Leistungsmangel wurden durch körperlichen Einsatz und Willenskraft der weltbesten Fahrer wettgemacht. Entsprechend kommentierte Valentino Rossi das Trainingsergebnis: »Am Ende zählt doch der Fahrer.« Es ist sehr riskant, technische Mängel über eine gesamte Renndistanz durch fahrerischen Einsatz auszugleichen. Doch gerade durch diese Möglichkeit entsteht so viel neue Energie und der Wille für Ingenieure und Fahrer, auch weiterhin alles zu geben und zu neuen Bestzeiten zu stürmen.Und genau das liebe ich an diesem Sport, denn trotz aller technischen Finessen und Errungenschaften zählt am Schluss das Team, das mit den Maschinen arbeitet. Die Stimmung nach dem Saisonauftakt war super, weil jeder jetzt seine Chance sieht.

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