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Erste Neander soll 2008 ausgeliefert werden Exklusiver Diesel-Cruiser

Foto: Neander Motors
Ein Turbodiesel-Paralleltwin mit 1,4 Litern und mit Direkteinspritzung. Zwei gegenläufige Kurbelwellen, um Vibrationen zu eliminieren. Eine Doppelgabel mit je zwei Standrohren für Zug- und Druckbelastung. 112 PS, 214 Nm, 295 Kilogramm. Das sind die Eckdaten des Über-Cruisers der Kieler Motorrad-Manufaktur Neander Motors. Das "ultimative Macker-Motorrad" gehört wahrscheinlich zu den innovativsten Konstruktionen, die der Motorradmarkt in den letzten Jahren gesehen hat – wenn es denn endlich auf den Markt kommt. Auf der Pariser Messe wurde nun zwar neben einer Bestellliste auch eine Maschine als erstes Serienmodell präsentiert – diese bleibt jedoch im Haus und wird nicht an einen Kunden geliefert. MOTORRADonline sprach mit Jan Poppe von Neander Motors darüber, wie es weitergeht.

Eins vorweg: die Preisansage von 95000 Euro ist Realität. Dabei handelt es sich laut Poppe um einen Festpreis; Neander nehme darüber hinaus gern Wünsche nach kundenspezifischen Sonderanfertigungen entgegen, diese kosten jedoch extra. Stehen dem Wunsch nach einer Neander also weder ein unzureichender Kontostand, ein kritischer Ehepartner oder mangelnder Platz in der Garage entgegen, kann jederzeit bestellt werden. Kaufvertrag unterschreiben, 50 Prozent Anzahlung leisten und den Platz auf der Warteliste erfragen: so einfach geht das.

Auf jeden Fall muss man warten, bis Heinz Hönig seine Maschine bekommen hat. Der Schauspieler und passionierte Motorradfahrer, mit dem Neander schon in der Planungsphase zusammenarbeitete, bekommt das erste Exemplar der Serie. Ob es weitere prominente Kunden gibt, wollte man bei Neander nicht verraten.
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Foto: Neander Motors
Als ob der saftige Einstiegspreis für die weitgehend handgefertigten Stücke den weniger betuchten Kunden nicht schon von vornherein außen vor ließe, sollen selbst bei entsprechendem Auftragseingang keinesfalls mehr als 250 Stück der Neander gebaut werden. Ebenso wenig ist eine Erweiterung der Modellpalette nach unten durch ein Dieselmotorrad für den schmaleren Geldbeutel geplant. Auch wenn dies von Neanders Marketingabteilung teils mit markigen Worten unterstrichen wurde ("nichts für den gemeinen Gassenrocker"), bleibt für Jan Poppe festzustellen: "Natürlich wird die Neander polarisieren, aber verprellen wollen wir keinen". Dass man sich so in einer kleinen Nische des Marktes positioniert, hat natürlich Vor- und Nachteile. Einerseits muss um die relativ geringe Zahl der potenziellen Kunden hart gekämpft werden. Andererseits, und das ist das Positive, muss man in absehbarer Zeit keine Konkurrenz fürchten. Die weltweit einzige andere Serienproduktion eines modernen Dieselmotorrads läuft zur Zeit beim kalifornischen Hersteller Hayes HDT. Dessen gesamte Produktionskapazität hat sich jedoch zur Zeit das US-Militär gesichert – und selbst wenn der auf einer Suzuki KLR basierende Einzylinder doch noch auf dem zivilen, geschweige denn europäischen Markt erscheinen sollte, steht Jan Poppe von Neander Motors dem Konzept kritisch gegenüber. Bei der Dieselenduro handele es sich um eine "Rüttelplatte", die bei der Fahrt sicherlich "Augenflackern und Taubheitsgefühle" produziere - jedenfalls keine Konkurrenz für den laufruhigen und bedeutend stärkeren Neander-Zweizylinder.

Expandieren möchte Neander Motors mittelfristig in motorradfernen Bereichen; die Konstruktionsprinzipien des doppelwelligen, turbogeladenen Dieseltriebwerks seien auch für andere Anwendungen vorteilhaft. Konkret arbeite man an "den Projekten Außenborder, Kompressoren und ATV (Quads)".

Der klingende Name Neander lässt nicht allein einen Blick in die Zukunft, sondern auch einen in die Vergangenheit lohnend erscheinen: Ernst Neumann-Neander (1871 bis 1954) war ein deutscher Konstrukteur und Designer, der auf vielen Gebieten Maßstäbe gesetzt hat (siehe auch der PDF-Download am Ende des Artikels). Im Motorradbau ist besonders sein leichter "Einheitsrahmen" aus Stahlblechprofilen zu erwähnen, mit dem er in den 20er Jahren einige Rennsporterfolge erringen konnte. Später wurde das Patent an das Unternehmen Opel verkauft, das darauf die technisch avancierte Opel Motoclub aufbaute. Bei Neander Motors in Kiel kann, sehr zum Bedauern von Jan Poppe, derzeit niemand einen solchen Schatz sein eigen nennen. Vielleicht klappt es ja mit der erfolgreichen Markteinführung der Diesel-Neander – die erste Auslieferung ist für den Herbst 2008 geplant.

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