European Transport Safety Council (ETSC) Brücke zwischen Forschung und Politik

Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Die Europäische Union hat sich deshalb 2001 zum Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten (15 EU-Länder plus Schweiz 2001: 50326) in Europa bis zum Jahr 2010 zu halbieren. Soviel steht heute bereits fest: Erreichen wird sie dieses Ziel nicht. Auch, weil sich die EU in der Zwischenzeit immer wieder erwei-tert und damit Verkehrsflächen und -teilnehmer hinzugewonnen hat. Aktuell stagniert die Zahl nach einem anfänglichen Rückgang in den 27 EU-Ländern bei rund 40000 Verkehrstoten pro Jahr. Neben der EU hat sich auch der 1993 gegründete ETSC (www.etsc.be) dem Ziel der Erhöhung der Verkehrssicherheit verschrieben. ETSC steht für European Transport Safety Council, zu Deutsch: Europäischer Verkehrssicherheitsrat. Zu seinen Mitgliedern – aktuell 40 – zählen nationale Verkehrssicherheitsorganisationen wie beispielsweise der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), Universitäten und Forschungseinrichtungen. Als seine Aufgabe sieht es der ETSC an, anhand der Ergebnisse aus wissenschaftlichen Verkehrsstudien oder Projekten wie APROSYS politische Forderungen abzuleiten, die er über Lobby-arbeit in die EU-Kommission und das Parlament einbringt. Im Fokus des Rats steht die Sicherheit aller Verkehrsmittel, also auch die von Motor-rädern. Motorradfahrer laufen beim ETSC in der Kategorie „Verletzliche Verkehrsteilnehmer“.

Über sie hat der Rat zuletzt 2008 einen 30-seitigen Lagebericht (Vulnerable Riders – Safety implications of motorcycling in the European Union) herausgegeben, in dem er Empfehlungen für künftige Richtlinien erteilt. Daneben vergleicht der ETSC die EU-Länder regelmäßig hinsichtlich ihrer Anstrengungen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Nach einem für 2007 aktuellen Ranking von 27 europäischen Staaten sind die Straßen in Nor-wegen, der Schweiz, Dänemark und Finnland am wenigsten gefährlich für Motorradfahrer mit 30 bis 45 Toten pro einer Million gefahrener Kilo-meter. Deutschland folgt auf Platz fünf in einer zweiten Gruppe zusammen mit Ländern wie Österreich, Portugal, Schweden und Griechen-land, in denen durchschnittlich weniger als 86 Motorradfahrer je einer Million gefahrener Kilometer ums Leben kommen. Am Ende stehen Lettland, Ungarn, Tschechien und Slowenien: über 200 getötete Biker. Anders ausgedrückt: Das Risiko, in Slowenien tödlich zu verunglücken, liegt 44-mal höher als in Norwegen und immerhin noch 35-mal höher als in Deutschland. In der EU ist das Risiko von Motorradfahrern, im Straßenverkehr zu sterben, im Vergleich zu Autofahrern 18-mal höher.

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