Exklusiv-Fahrbericht MV Agusta F4 1000 Mamba T-1 (Archivversion)

StarkesGift

Nur einer darf eine MV Agusta F4 1000
leichter, schneller, stärker und edler machen:
Massimo Tamburini, ihr Schöpfer. Auf Basis
der guten Serien-1000er kreierte er eines der
besten Motorräder der Welt, die MV Agusta
F4 1000 Mamba T-1.

Dendroaspis polylepis: Die schwarze Mamba ist die schnellste Schlange der Welt. Sie besitzt einen schlanken Kopf, das Auge kennzeichnet eine runde Pupille. Sie kommt hauptsächlich in den Savannen des südlichen Afrika vor. Afrika – stimmt.
37 Grad zeigt das Thermometer in der Boxengasse des Autodromo Santamonica in Misano. Der Puls jagt, aber nicht nur wegen der Hitze. Der Meister höchstpersönlich, Massimo Tamburini, gibt MOTORRAD seine neueste Schöpfung in die Hand. Eine MV Agusta, wie er sie sich vorstellt: leicht, edel, stark, kompromisslos rennstreckentauglich. Man fühlt sich geehrt. Und wirft sich mit dem edlen Teil in eine Gruppe
wütend Gas gebender Italiener, die gerade ein Renntraining absolvieren. Mitten hinein zwischen etliche Blades, R1 und GSX-R, ein guter Prüfstand für die Mamba.
Nahrung: Die Schwarze Mamba ernährt sich hauptsächlich von Kleinsäugern und Vögeln. Es erinnert schon an auffressen, wie die Mamba zwischen den sichtlich
bemühten Jungs durchpfeilt. Das Ding geht bestialisch, reißt von 6000/min bis zum
Begrenzer bei 13000/min alles nieder. 170 echte PS ziehen an der Kette – MOTORRAD hat den in der Mamba eingesetzten Leistungskit bereits auf dem Prüfstand
gemessen. Wirklich beeindruckend ist, wie gut man diese Leistung einsetzen kann. Und das, obwohl die Mamba noch einen Zahn kürzer als die Serie übersetzt wurde.
Verhalten: Obwohl sie sich genauso wendig und flink auf Bäumen bewegt, hält sie sich doch hauptsächlich am Boden auf. Die Mamba bleibt lammfromm, strebt konsequent nach vorn und nicht nach oben, bietet einen bisher unbekannten mechanischen Grip. Und ein unglaublich leichtes und präzises Handling. Warum? Zum Ersten, weil die Mamba gut 25 Kilogramm
weniger wiegt als das Serienprodukt. Schnödes Stahlblech, Aluminium und
Plastik werden durch edleres, leichteres
Material ersetzt. Magnesiumschwinge, Kar-
bonräder, Karbon/Stahl-Bremsenmix vorn,
Karbonscheibe hinten, Karbonverkleidung und -Tank, Schwingenlagerung aus Magnesium, Auspuffanlage komplett aus Titan – ohne Katalysator: Das spart enorm
Gewicht. 167 Kilogramm sind es trocken, fahrbereit vollgetankt also nur 193.
Zum Zweiten wurden das Set-up von Gabel und Federbein drastisch geändert. Vorn kommen weichere Federn zum Einsatz, hinten eine deutlich härtere als in
Serie. So bleibt die Mamba auch bei viel Druck auf den Reifen in voller Schräglage noch handlingfreundlich nach vorn geneigt. Dazu verwendet Tamburini ein Formel-1-Federbein von Sachs, das in der Dämpfung vielfach einstellbar ist und äußerst präzise agiert. Zum Dritten gesellt sich der Tamburini-Faktor hinzu: die immense Erfahrung von über 30 Jahren Fahrwerksbau. Tamburini ist Schöpfer solch zweirädriger Berühmtheiten wie Bimota DB1, Ducati 916, MV Agusta 750 F4. Er weiß, wie sich eine Maschine verhalten muss. Präzise und zielgenau in schnellen Kurven, leichtfüßig in Schikanen, stabil und satt beim Bremsen und Beschleunigen.
Die Mamba setzt all sein Wissen auf perfekte Art um. Hämmert die Zielgerade in Misano runter, biegt wie auf Schienen in die Doppelrechts in voller Schräglage, bremst auf den Punkt die enge Links an, die im zweiten Gang mit viel Speed genommen werden kann, beschleunigt mächtig in Schräglage durch die Dreifach-Links, an deren Ende gute 235 km/h anstehen. Dann nagelt sie die Gegengerade runter; bei 260 km/h hart anbremsen und übers Vorder-
rad in die 190-Grad-Links gleiten geht mit der T-1 wie von selbst. Sie kommt lange nicht so schnell mit dem Heck hoch beim Bremsen wie die Serien-MV.
Der Schwerpunkt scheint viel niedriger zu liegen. Gas anlegen – einziger Schönheitsfehler: auch die Mamba ist im Übergang zu hart –, voll zwei Gänge durchbeschleunigen, die überhöhte Rechts, durch die Schikane im Dritten tanzen, links, rechts, links, alles im dritten Gang, und schon wieder ab auf die Zielgerade. Das macht unendlich Laune. Wäre es nicht
so heiß, man könnte ewig weiterfahren. So muss mangels Kondition die Box ange-
laufen werden. Und man möchte doch mal die armen Pirellis anschauen, die diese Qualen jedoch gut wegstecken und hervorragend zur Mamba passen.
Fortpflanzung: Während der Paarungszeit liefern sich die Männchen ritualisierende Kämpfe, wobei sie ihre Köpfe bis zu
einem Meter in die Höhe emporranken. Meist im November werden bis zu 14 Eier gelegt. Zusammen mit seinem Sohn baut Tamburini die Mamba auf Bestellung.
Eigens für dieses Projekt hat er die Firma MV Agusta Corse gegründet. Das Cagiva Research Center CRC, das er gemeinsam mit MV-Boss Claudio Castiglioni betreibt, befindet sich im gleichen Ort in San Marino. Man kann sich durchaus vorstellen, dass MV Agusta Corse bald echte Rennmotorräder baut, die Superbike-Weltmeisterschaft lockt. Und die Mamba zeigt, dass die Basis für einen solchen Einsatz stimmt.
Gift: Bereits zwei Tropfen Gift der schwarzen Mamba genügen, um einen
Erwachsenen Menschen zu töten. Na ja, eine kleine Herzattacke kann einen schon ereilen, wenn Herr Tamburini den Preis für die herrliche Maschine nennt. Er verrechnet die Kleinigkeit von 52000 Euro. Und damit ist die Mamba wirklich Gift – aber nur für den Geldbeutel.
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MV Agusta F4 1000 Mamba T-1 (FB) (Archivversion) - MV Agusta F4 1000 Mamba T-1

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, radial angeordnet, Einspritzung, Ø 46 mm, Titan-Auspuffanlage, Sekundärluftsystem.
Bohrung x Hub 76,0 x 55,0 mm
Hubraum 998 cm³
Nennleistung
125 kW (170 PS) bei 11750/min
Max. Drehmoment
110 Nm bei 10200/min

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Magnesiumschwinge, Gabel und Federbein voll einstellbar, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 210 mm, Vierkolben-Festsattel.

Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17
Maße und Gewichte
Radstand 1408 mm, Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 98 mm, Federweg v/h 118/120 mm, Gewicht vollgetankt 193 kg, Tankinhalt 21 Liter.
Preis 52000 Euro
Nebenkosten 200 Euro

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