Fahrbericht Aprilia Caponord Rally Raid (Archivversion) Der Ockergaul

Aprilias neues Abenteuerbike setzt auf die Farben Rotbraun/Ocker. Und voll auf Offroad – ein Schuss in Richtung BMW R 1150 GS Adventure.

Die Zeiten haben sich endgültig geändert. Handys fotografieren, Analphabeten schreiben Bestseller, und gewichtige Motorräder machen einen auf Enduro. Letzterem Trend folgt nun auch Aprilia. Genau wie die BMWler stellten die Italiener ihrer gemütlichen Großenduro eine fernreise- und Offroad-taugliche Schwester zur Seite. Derart aufgerüstet, schleppt die Aprilia Caponord Rally Raid vollgetankt 268 Kilogramm auf die Waage. Viel zu viel für forsche Geländeritte – sollte man meinen. Toskana im April 2003. Die Sonne sticht, der Wind trägt Frühling, vor dem Vorderrad der Rally Raid stürzt sich eine grobschottrige Abfahrt in die Tiefe. Zirka einen Kilometer lang. Ab dafür. Eine Disziplin, bei der die softe Gabel der Caponord-Normalo-Version flugs an ihre Grenze stößt. Der um 25 auf 200 Millimeter aufgestockte Federweg der Rally-Gabel meistert diese Aufgabe in Verbindung mit Zug- und Druckstufenregulierung der Dämpfung da schon wesentlich besser. Beschützt den Fahrer vor Schlägen grober Bodenangriffe und führt das Rad am Boden wie der Spürhund seine Nase auf Fährtensuche. Die Federung könnte allerdings noch ein wenig mehr Härte vertragen. Am Hinterrad ist sie jedoch nahezu perfekt. Voll einstellbar, die Umlenkung mit neuer, progressiver Kennlinie, meistert das Federbein sogar im Zweipersonenbetrieb alle Unwägbarkeiten. Talsohle erreicht. Um einen See schlängelt sich ein mit Schlaglöchern gespicktes Offroad-Dorado. Fahren im Stehen ist angesagt. Zwei hohe Alu-Riser klammern einen neuen konifizierten Alulenker und vermitteln mehr Steifigkeit und offroad bessere Kontrolle. Die Sitzhöhe ist gegenüber der Standardversion um 20 Millimeter auf deren 860 gewachsen. Ein leichter Dreh am Gasgriff genügt für explosionsartigen Vortrieb, am Heck für ein Inferno aus Steinhagel. 98 PS in Verbindung mit einem kürzer übersetzten ersten Gang und einer geänderten Sekundärübersetzung lassen grüßen. Das Ritzel der Rally zählt 16 statt 17 Zähne. So viel Power muss erst mal umgesetzt werden. Darum bemüht sich der grobstollige Metzeler Karoo. Was im Gelände einigermaßen funktioniert, ist im Straßenbetrieb ein Eiertanz ohnegleichen. Kurvenstabilität mangelhaft, Lenkpräzision ungenügend, Geradeauslauf weniger als ausreichend. Aus diesem Grund wird die Caponord Rally in Deutschland auf dem Metzeler Endurance ausgeliefert, den Karoo gibt’s als Dreingabe dazu. Für alle, die Stollenreifen sexy finden oder mit einer Afrika-Durchquerung liebäugeln. Wofür, so Aprilia, die Caponord Rally entwickelt worden sei. Deshalb auch die serienmäßigen Alukoffer, Sturzbügel, der verstärkte Motorschutz und das etwas dynamischere Styling im Vergleich zum Basismodell. Warum die Italiener dann ausgerechnet diese dezente Farbkombination wählten, bleibt ungewiss. Ein in Not geratener Ockergaul sticht aus den Dünen Afrikas kaum heraus.

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