Fahrbericht Aprilia RXV 450/550 (Archivversion)

Schussfahrt

Man fühlt sich bei der ersten Probefahrt auf der Aprilia RXV 450/550 irgendwie an eine Ducati 1098 erinnert. Wegen des italienischen Desgins, klar. Aber auch wegen des V2-Motors, dessen Spritzigkeit und Power einfach anmachen. Die Aprilia-Zweizylinder sind echte Enduro-Katapulte, das gilt für beide Hubraum-varianten, ob 450 oder 550 cm3. Power ist bei beiden mehr vorhanden, als der durchschnittlich begabte Pilot je umsetzen kann. Die größere Variante kommt eher dem Ein­zylinderfahrer entgegen, sie zieht mit mehr Drehmoment aus den Kurven. Beide Motoren gehen in der Mitte ungeheuer explosiv zur Sache. Das bringt Spaß, macht das saubere Herausdriften jedoch recht schwierig. Hilfreich ist dabei, dass sich die Gasannahme im Vergleich zu den verzögert reagierenden Vorjahresmaschinen erheblich verbessert hat. Die Motorcharakteristik kann von hard auf soft umgestellt werden. Der Druck aufs Knöpfchen zeigt spürbar Wirkung, was besonders bei der 550er in gewissen Situationen ein Vorteil ist, etwa auf rutschigen, nassen Steinen oder staubigen Betonpisten.
Das Fahrwerk der RXV ist Enduro-typisch soft ausgelgt. Was es für den Piloten leichter macht: Die Aprilia fährt sich unglaublich weich und kraftschonend, bügelt selbst heftige Kanten in der Bremszone einfach weg und bleibt auf zer­furchten Geraden stabil auf Kurs. Bei Sprüngen oder Löchern der übelsten Kategorie kommt die Marzocchi-Gabel an Grenzen, dann wäre etwas mehr Progression wünschenswert. Was sich mit ein paar Kubikzentimeter Gabelöl wohl leicht bewerkstelligen lässt.
Eine weitere Parallele zur Ducati: Geradeaus können die beiden Aprilias überzeugen, Kurven allerdings werden – zumindest in der Eingewöhnungsphase – zur Herausforderung. Besonders wer vom Einzylinder-Viertakter kommt, muss sich umstellen. Das Bremsmoment des Zweizylinders ist so gering wie beim Zweitakter, das feine Spiel mit Gas und Kupplung bedarf viel Erfahrung. Werksfahrer Antoine Letellier macht vor, wie es geht: volle Pulle und immer unter leichtem Zug. Leichter gesagt als getan. Die ungewöhnliche Fahrwerks­einstellung der Testmaschinen trug vielleicht auch ihren Teil dazu bei. Ein Durchhang hinten von rund 50 Millimeter ver­-bessert das Lenkverhalten wohl kaum, das Vorderrad hat wenig Traktion. Gewöhnung erforderte außerdem die hohe Leerlaufdreh­zahl von fast 3000/min. Dass der Zweizylin­der offroad Potenzial hat, beweisen jüngste Sportresultate. Antoine Letellier wurde in der German-Cross-Country-Serie Zweiter, und in Italien konnte Werksfahrer Alessio Chiodi sogar einen Lauf zur nationalen Cross-Meisterschaft ge­winnen. gt
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Daten Aprilia RXV 450/550 (Archivversion)

Motor: wassergekühlter Zweizylinder-Vier­takt-77-Grad V-Motor, je eine oben liegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Trockensumpfschmierung, Ein­spritzung, Ø 38/40 mm, Lichtmaschine 340 W, Batterie 12 V/8 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kette.

Bohrung x Hub76,0 x 49,5/80,0 x 55,0 mm
Hubraum449/550 cm³
Verdichtungsverhältnis13,0/12,5:1

Nennleistung12,5/15 kW (17/20 PS) bei 6750/6000/min

Fahrwerk: Verbundrahmen aus Stahl und Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 45 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, Scheibenbremse vorn, Ø 270 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Einkolben-Schwimmsattel.

Speichenräder mit Alu-Felgen1.60 x 21; 2.15 x 18

Reifen 90/90-21; 140/80-18

Maße und Gewichte: Radstand 1485 mm, Lenkkopfwinkel 63,0 Grad, Nachlauf 112 mm, Federweg v/h 298/300 mm, Leergewicht 121 kg, Tankinhalt 7,5 Liter.

Farben Rot/Schwarz

Preis inkl. Nebenkosten9190/9440 Euro

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