Fahrbericht (Archivversion)

Zwei übereinander angeordnete Scheinwerfer sind das auffälligste Merkmal der neuen Hyosung GT 650 R. Sie bilden das i-Tüpfelchen auf einer knallroten Vollverkleidung, die sich eng an den Brückenrahmen aus Stahlrohr schmiegt und die
GT 650 Naked nun zu einem vollwertigen Sportmotorrad machen soll. An der Gabel fixierte Lenkerstummel sowie eine in drei Positionen einstellbare Fußrastenanlage verhelfen zu einer sportlichen, aber nicht unbequemen Sitzposition. Das alles gibt’s zu einem Preis von gerade mal 5845 Euro.
Da darf die Konkurrenz ruhig neidisch werden, zumal die Koreaner auf die Kritik
an der Fahrwerksabstimmung sowie der Schaltbarkeit des Getriebes im Top-Test
der GT 650 Naked (MOTORRAD 10/2004) prompt reagiert haben. In der »R« fällt
die Dämpfung des Zentralfederbeins deut-
lich schwächer aus, im Gegenzug ist die Upside-down-Gabel straffer ausgelegt. So ergibt sich eine homogene Abstimmung, die schlechten Fahrbahnbelägen und welligen Kurvenverläufen selbst bei forschem An-
tritt ihren Schrecken nimmt. Lenkpräzision, Fahrstabilität und neutrales Fahrverhalten der GT 650 R sind in Verbindung mit den montierten Bridgestone BT 56 ordentlich.
Modifikationen an der Schaltwalze und den Klauen sowie schwächere Kupplungsfedern sorgen für bessere Schaltbarkeit und leichtere Bedienung. Nun flutschen die Gänge weich und exakt. Störend sind nach wie vor die hohen Hebelkräfte, welche die Vorderradbremse verlangt.
An der Testmaschine war eine Bos-Auspuffanlage montiert. Nicht Serie, aber laut Importeur zugelassen und der passende Geschmacksverstärker für den pulsierenden, lebendig vibrierenden 90-Grad-V2 der GT. In dieser Kombination gewinnt der Achtventiler im mittleren Drehzahlbereich spürbar an Stärke, um noch druckvoller als zuvor an der Antriebskette zu reißen. Das Erreichen der vollen Leistung von 73 PS bei 9100/min ist jedoch ein zähes Unterfangen. Man kann eben nicht alles haben. nk

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