Fahrbericht Benelli TreK 899 (Archivversion) Spartrek: The wet generation

„Beam us up, Scotty! Wir befinden uns in absolut lebensfeindlicher Umgebung. Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt, Dauerregen und Nebel mit Sichtweiten von teilweise unter 20 Metern. Hol uns hier raus! Sofort!“

Doch Scotty hört nicht. Entweder ist der Akku seines Beamers gerade leer, oder unser Notruf kann die Wolkendecke nicht durchdringen. So bleiben wir auf uns alleine gestellt und müssen uns auf irdischem Weg in die rettende Restauration durchschlagen. Wir, das sind zwei Hand voll Journalisten, die dem Ruf gefolgt waren, den ersten Benelli TreK mit dem neuen, kleinen Motor bei einer Schwarzwaldrundfahrt auf den Zahn zu fühlen. Klein heißt in diesem Fall 899 statt 1131 Kubikzentimeter Hubraum. Die werden durch eine andere Kurbelwelle sowie geänderte Pleuel erreicht. Insgesamt schrumpft der Hub um 12,8 Millimeter, die Bohrung beträgt nach wie vor 88 Millimeter. Der Zylinderkopf konnte wie der gesamte Rest des Motors unverändert bleiben, sieht man von der modifizierten Einlassnockenwelle ab. Und das ist auch gut so.

Denn es gibt derzeit nur wenige dermaßen emotionale Antriebe wie den etwas grobschlächtig wirkenden, massigen Dreizylinder. Schon der Kaltstart ist ein spannendes Erlebnis: Springt er an – oder nicht? Er lässt sich bitten, erliegt schließlich aber den Avancen des Anlassers. Der kehlig röhrende Klang unterscheidet sich nicht von der großen Schwester und ist geeignet, das Blut in Wallung zu bringen. Das der Nachbarschaft im Übrigen eingeschlossen, denn erst nach ein paar Minuten Warmlaufzeit erfolgt auf den Dreh am Gasgriff eine Reaktion in Form von Drehzahlerhöhung.

Bei niedrig einstelligen Temperaturen und teilweise waagrecht peitschendem Regen tastet sich die Journaille über den Parcours. Die weiche Gasannahme und die lineare Leistungsabgabe erleichtern die Konzentration auf den schlüpfrigen Untergrund. Allerdings trüben hohe Lastwechselreaktionen, verursacht durch viel Spiel im Antriebsstrang und die sehr hohe Kupplungshandkraft, das Bild. Des Fahrers Rücken hingegen trübt der vom Hinterrad aufgewirbelte Dreck, der seinen Weg bis auf den Helm findet.

Abgesehen davon schlägt sich die Benelli unter diesen widrigen Umständen wacker. Zwar spricht die Federung, die bis auf die hintere Federvorspannung bar jeder Einstellmöglichkeit ist, wohl kälte-bedingt nicht sonderlich fein an. Dafür entschädigen das leichte Einlenken sowie das neutrale und unkritische Fahrverhalten. Die montierte Dunlop-Roadsmart-Bereifung baut selbst bei diesen Bedingungen hinreichend Grip auf – vorausschauende Fahrweise vorausgesetzt. Ein ABS, das bei Benellli vorläufig noch nicht im Programm ist, wäre trotzdem hilfreich.

Doch auch ohne erreichen sämtliche Rosse und Reiter wohlbehalten, wenngleich leicht rotnasig die rettende Restauration. Wo sie bei koffeinigem Kaffee, schweinischen Schnitzeln und mauligen Taschen darüber sinnieren, ob sie dem tauben Scotty die Ohren lang ziehen sollen. Bei Spock soll das ja Wunder gewirkt haben. Apropos Spar-TreK: Im Vergleich zur 1130 ist die 899 über 1600 Euro günstiger. Dafür verzichtet der Kunde auf 14 PS, 33 Nm, den Powerknopf für unterschiedliche Mappings im Cockpit und eine Abdeckung am Hinterrad, genannt Spritzschutz. Letzterer wurde als Einziger, unter den beschriebenen Umständen aber umso heftiger vermisst.

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