Fahrbericht Bike Side-Yamaha MT-01 (Archivversion) FETTEHUMMEL

Hummeln können nicht fliegen, sagen die Erkenntnisse der Aerodynamik. Zu schwer, zu kleine Flügel, zu wenig Auftrieb. Überschwere Motorräder mit langhubigen Stoßstangen-V2-Motoren gehen nicht gescheit ums Eck, sagt die Erfahrung mit Choppern und Cruisern. Alles Quatsch, belegt ein Frühlingstag auf einer Blumenwiese. Und die Probefahrt auf einer Ya-
maha MT-01. Dieser mechanische Koloss sprengt Konventionen, zieht selbst Sportfahrer mit runtergerubbelten Knieschleifern in seinen Bann. Bull-Riding at its best.
Ein Motorrad wie ein Monument. Aber ein höchst agiles: Die MT-01 hat ein stabiles, voll einstellbares Fahrwerk, bissige Bremsen und ein präzises Fahrverhalten. Und sie surft auf einer riesigen Drehmomentwelle. Die beiden 97er-Kolben spielen Armdrücken, stemmen schon bei 2000 Touren gewaltige 130 Newtonmeter auf die mächtige Kurbelwelle. Kein leichter Job, dieses kompromisslose Kraft-Rad noch zu verbessern, für das Yamaha selbst reichlich Zubehör parat hält.
Und so beließ es die badische Firma Bike Side, Spezialist für Kunststoffparts, bei gezielten Eingriffen jenseits von Mo-
tor und Fahrwerk. Mit einer Ausnahme. Die von Yamaha als »Stage One«-Kit angebotenen, Titan-ummantelten Auspufftöpfe von Akrapovic setzen den Boliden für alle Sinne besser in Szene als die Serienpendants. Sie fühlen sich edler an, sehen markanter aus, und vor allem klingen sie besser. Dumpf, satt, tief, posaunen sie pure Lebensfreude gen Himmel – mit ABE.
Die dynamische Linienführung der Schalldämpfer setzt der prägnante Bugspoiler fort. Eng schmiegt er sich um den Keller des turmhohen V-Motors. Dennoch raspelt bei verwegen-flotter Fahrweise der Lack des Kunststoffteils ab. Allerdings tatsächlich erst, wenn Racer im Sattel des Drehmomentriesen es wirklich wissen wollen. Was dank des breiten Superbike-Lenkers auf höheren Risern ein Leichtes ist. Damit lässt sich die fette Hummel lässig dirigieren, selbst in schnellen Wechselkurven ohne nennenswerten Kraftaufwand hin- und herwerfen.
Über dem Lenker, der sich konisch zu den Enden hin verjüngt, thronen CNC-gefräste Ausgleichsbehälter für die Hydraulikflüssigkeiten von Bremse und Kupplung. Sie sind viel kleiner und wirken gleichzeitig viel edler als die originalen Plastik-Gefäße. Beim Griff zur Bremse tut sich Gewaltiges. Über die serienmäßige Radialpumpe von Brembo und Stahlflexleitungen betätigt, beißen die originalen Vierkolbensättel auf Wave-Bremssscheiben von ABM. Brachiale Wirkung bei bester Dosierbarkeit zumindest für Könner.
Funktionell und fein wirken kunstvoll gefräste Kettenspanner von Gilles Tooling. Den muskulösen Auftritt toppen vergitterte Lufthutzen im Stil von Yamahas legendärem erstem Brutalo-Bike Vmax. Dazu ein radikalisierter Frontkotflügel: kürzer, knapper, konkreter. Im neu gestalteten Heckteil sitzen zwei LED-Rundleuchten.
Über dem Scheinwerfer prangt eine kleine Scheibe. Ihre fließende, elegante Form macht die Proportionen der höchst individuellen Yamaha-Spezies harmonischer, weniger schroff. Das entschädigt locker für das hochfrequente Pulsieren des kleinen Windschilds bei Topspeed. Zumal es dem Fahrer ansatzweise tauglichen Windschutz bietet. Denn Hummeln können tatsächlich fliegen. tsr

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