Fahrbericht BLM 996 Monster Ultimo (Archivversion) Kohle satt

Franz Plassnik von BLM sagt ja zum Untier. Und baut eine Monster mit 996-Motor, die mit Kohlefaser satt alle Leichtbauregister zieht.

Eindeutig eine Ducati Monster: vertraut die Linie, die Proportionen von Tank und Sitzbank des typisch roten Motorrads. Vertraut und trotzdem anders, diese Monster, diese sehr, sehr spezielle Monster. Sie trägt nämlich nicht nur einen 996-Motor, sondern vor allem auch Details, die den Betrachterblick auf eine nicht enden wollende Entdeckungsreise schicken. Rahmen, Einarmschwinge, Räder und Fußrastenanlage, dazu Rahmenheck, Tank, Kotflügel und Zahnriemenabdeckung mit integriertem Ausgleichsbehälter der Motorgehäuse-Entlüftung – alles aus edelstem Kohlefaserlaminat, selbstverständlich im Autoklaven, dem Backofen der Kohlebäcker, gebacken.Was Wunder, dass diese Monster ein Fliegengewicht ist. Nicht ohne Stolz nennt Franz Plassnik, Initiator der Monster Ultimo und federführend bei BLM, dem österreichischen Ducati-, Cagiva- und Harley-Davidson-Importeur, luftige 148 Kilogramm Leergewicht. Somit dürfte die Monster-Monster auch mit vollem 16-Liter-Tank nur etwas mehr als 160 Kilogramm auf die Waage bringen. Und das ist leicht. Superleicht.Beim Aufsitzen wirkt zunächst vieles wie gewohnt, bis auf die extrem hoch positionierten Fußrasten. Offenbar reicht die winzige Batterie, denn der Anlasser dreht, begleitet vom rhythmischen Scheppern der Trockenkupplungs-Lamellen, locker durch, einmal, zweimal, dann »Blllaaammm – Pöttapöttapötta« – läuft der serienmäßige 90-Grad-V2 rund und saftig. Die Monster Ultimo darf im Sinne ihrer Erbauer Krach machen, schlürft fröhlich durch offene Ansaugtrompeten, die frech hinter den vorderen Löchern im Tank hervorlinsen, und bläht den markigen Duc-Donner ungehemmt durch die zwei rechtsseitigen Schalldämpfer – die natürlich Kohlefasermäntelchen tragen. Klack – Gang drin. Die ersten Meter verlaufen ganz außerordentlich vorsichtig – so vorsichtig, wie ein Preis von 50000 US-Dollar eben gemahnt. Allein das Kunstwerk von Rahmen der salzburgischen Spezialisten von Carbo Tech kostet um die 40000 Märker. Weil nicht nur der Werkstoff selbst, sondern auch seine Verarbeitung alles andere als billig ist. Da müssen Formen gebaut, Fittings und Gewinde richtig platziert, harzimprägnierte Matten in korrekter Faserrichtung gelegt, schließlich alles unter Hochdruck im Autoklaven gebacken werden. Mit gerade einmal 6800 Gramm Gewicht spart der Rahmen aber auch beinahe vier Kilogramm gegenüber seinem Gitterrohr-Pendant, obwohl er dieses in der Stabilität deutlich übertrifft: bei Biegung um das Doppelte, bei Verdrehung um 50 Prozent.Schon beim Einkuppeln setzt sich die Duc erstaunlich behände in Bewegung. Klar, da sind ja inklusive Fahrer fast 20 Prozent oder eben 60 Kilogramm weniger Gewicht zu manövrieren. Zudem verursachen die leichten Räder deutlich geringere Kreiselkräfte, so dass das Abkippen in Schräglage blitzschnell verläuft, die Räder beim Beschleunigen weniger Kraft aufzehren, sprich die Monster – antriebsritzelseitig noch einen Zahn kürzer übersetzt – wie trockenes Laub im Herbststurm davonstiebt, bevorzugt mit dem Vorderrad im Wind.Stellen Sie sich vor, Sie biken allein auf ihrer 200-Kilo-Maschine daher, und plötzlich fährt sie in einem Maß leichtfüßiger, als wäre – surprise, surprise – ein Sozius abgestiegen. Jeden Dreh am Gasgriff direkt in Vortrieb ummünzen, spielerisch wie auf der Playstation in die Kurven stechen. Kein Vergleich zur sturen Richtungsstabilität einer Serien-996, von der die Monster Ultimo die Geometrie übernimmt. Nur der Radstand ist etwas länger, weil die Schwinge wie beim Superbike ein wenig länger baut.Tatsächlich leistet der lange Radstand stabilisierende Schützenhilfe. Einerseits nämlich ist das Einlenkgebaren der Monster ungewohnt zackig, andererseits das Stabilisierungsvermögen des leichten Vorderrades sehr gering. Deshalb wird, zum Beispiel beim heftigen Herausbeschleunigen aus einer Kurve, jedes kleine Ziehen am Lenker in eine ungewollte Lenkbewegung umgemünzt – oder gleich in ein abhebendes Vorderrad. Spontaner kann ein Motorrad nicht lenken, die enorme Steifigkeit des Chassis schafft zusammen mit den geringen Massenträgheitsmomenten der leichten Räder einen Mix, der dem Fahrer zwar Feingefühl abverlangt, aber zu endlosem, rauschhaft schwerelosem Kurvenfressen anspornt.Getrost kann der Bremspunkt später gesetzt werden, denn erstens offeriert die Brembo-Racing-Bremse mit 19-Millimeter-Radialhandpumpe kraftvolles, perfekt dosierbares Zubeißen, zweitens verbraucht derart schnelles Umlegen in Schräglage weniger Meter Fahrtstrecke als bei anderen Bikes. Comprende? Auf der Bremse vorbeischießen, wenn Mitstreiter auf der Piste bereits mit Einlenken beschäftigt sind.MOTORRAD erlebte die Monster Ultimo aber weniger als Extrem-Ausbremser in der Anbremszone, sondern vielmehr als Landstraßenwolf à la Schmackes-Supermoto, spritzig, kraftvoll, ultimativ. Für den Belag der endlosen Toskana-Kurven erwiesen sich die prinzipiell sehr guten Federelemente – immerhin die Öhlins-Gabel einer seligen 996 SPS sowie ein aufwendiges Hyperpro-Federbein – als für das geringe Gewicht des Pakets zu hart abgestimmt. »Wussten wir schon«, schmunzelt Plassnik, »aber wir konnten es einfach nicht erwarten.« Verständlich, absolut. Denn die behände Vehemenz der Monster Ultimo zählt garantiert zu den exklusivsten wie bezauberndsten Fahrerlebnissen. Sozusagen schwarze Magie – für einen Haufen Kohle.M

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