Fahrbericht BMW R 1200 C mit Sauer Sonnenwind (Archivversion) Windstärke 12

Ein Motorrad, ein Boot, vier Verbindungspunkte - ein Norddeutscher zeigt, wie einfach Gespannbau ist. Der Sonnenwind bläst vermeintliche Dreirad-Wahrheiten davon.

Nichts. Ich habe nichts dran gemacht.« »Gar nichts, so ganz und gar nichts?« »Den Lenkungsdämpfer, aber sonst wirklich nichts.« Der Autor kann nicht so recht glauben, was ihm Gespannbauer Peter Sauer über die Umbaumaßnahmen an der BMW R 1200 C erzählt.Stunden und ein paar hundert Kilometer später ist für den Redakteur eine Gespann-Welt zusammengebrochen. Generationen von Technikern haben sich den Wolf geschraubt, um Zweiräder dreiradtauglich zu machen. Und nun kommt einfach einer aus dem tiefsten Schleswig-Holstein, hängt an einen völlig serienmäßigen Cruiser ein Boot, und die ganze Fuhre fährt sich hervorragend.Die letzten für den wahlweisen Seitenwagenbetrieb zugelassenen BMW waren die bis 1969 gebauten Vollschwingen-Modelle. Daß sich 30 Jahre später ausgerechnet die R 1200 C als würdige Nachfolgerin der »Sowohl als auch«-Maschinen erweist, ist purer Zufall. Peter Sauer suchte nach einer Marktlücke, denn die Luft für Gespann-Hersteller wird immer dünner. Bei den vor ein paar Jahren noch boomenden Familien-Gespannen ist der Bedarf mittlerweile weitgehend gedeckt, und immer mehr Anbieter müssen sich einen immer kleineren Markt teilen.Die Marktlücke hieß Cruiser - ein schriller Hingucker für modebewußte Zeitgeister anstelle der biederen Familienkutsche für vollbärtige Systemhelmträger. Mit einem Cruiser werden keine Weltreisen unternommen, der Fahrspaß am Sonntagmorgen sollte beim passenden Gespann auch für die Beiwagenpassagiere spürbar sein. Und so entstand der Sonnenwind mit der unkonventionellen Hintereinander-Sitzanordnung. Auf der gestuften Corbin-Sitzbank sind die Bootspassagiere ähnlich luftig wie auf der R 1200 C untergebracht. Das offene Boot macht die Mitfahrer nicht zum Ballast, sondern motiviert sie zum Mitmachen - Turnen ist angesagt. Notwendig ist die Körperertüchtigung jedoch nicht, denn das sehr gut verarbeitete Boot behält das schöne Drahtspeichenrad selbst unbesetzt und in scharf gefahrenen Rechtskurven sauber am Boden. Kindern und vorsichtigen Naturen wird dank der serienmäßigen Beckengurte die Angst vorm Fliegen genommen. Links herum bläst der Sonnenwind ebenso problemlos, es ist keine Kippneigung über die Bootsnase spürbar. Geradeauslauf? Tadellos. Die erforderlichen Lenkkräfte sind allerdings höher als bei speziell konstruierten Schwingen-Umbauten mit stark reduziertem Nachlauf.Der 61 PS starke Boxer ermöglicht eine wunderbar schaltfaule Fahrweise. Im Landstraßenbetrieb reicht die aus den Tiefen des Hubraums kommende Leistung immer aus. Und stundenlanges Autobahn-Blasen in Richtung Elefantentreffen wird dem Cruiser-Gespann ohnehin niemand antun wollen, weshalb in Ordnung geht, daß dem Sonnenwind ab 120 km/h langsam die Puste ausgeht. Bei 140 km/h ist endgültig Schicht. Zwischen 80 und 110 km/h macht das Show-Mobil am meisten Spaß. Wobei in Sachen Federungskomfort Peter Sauers heimliche Liebe für Sportler spürbar ist. Die Fuhre ist nicht hart, aber straff.

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