Fahrbericht BMW R 1200 GS Rennkuh (Archivversion) Melk-Maschine

Dass in jeder GS-BMW neben ein bisschen Enduro und ziemlich viel Tourer außerdem eine gehörige Portion Funbike steckt, dürfte sich allmählich herumgesprochen haben. Diese sportiven Gene möchte der GS-Spezialist Michael Welsch aus Wörth/Main verstärken, der sich sowohl mit dem Umbau und Tuning der früheren 1150er-GS wie auch der aktuellen R 1200 GS beschäftigt.
Der Umbau zur Rennkuh beginnt zunächst mit einem aggressiveren Outfit ganz in Schwarz. Der Heckrahmen wird
etwas abgeändert, dazu gibt es eine neue Fußrastenanlage. Damit griffige Reifen – in diesem Fall Pirelli Diablo – aufge-
zogen werden können, stellt Welsch die Bayernsemmel auf 17-Zöller. Fahrwerk und Bremsen der Testmaschine auf Basis der R 1200 GS blieben unberührt. Stattdessen erhielt der Boxerantrieb einige intensivere Stärkungsmaßnahmen, etwa höher verdichtende Kolben, einen leistungsfördernden Auspuff und ein geändertes Mapping.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zwar verliert der Zweizylinder unten herum ein wenig gegenüber dem Serienmotor, dafür legt er im oberen Drehzahlbereich kräftig zu, wenn der Standardmotor allmählich die Segel streicht. 117 PS in der Spitze auf dem MOTORRAD-Prüfstand bedeuten einen Leistungszuwachs von ordentlichen 14 PS gegenüber einer Serien-GS.
In der Praxis wirkt der getunte Motor spürbar dynamischer und spritziger als der ebenfalls nicht gerade phlegmatische Boxer der GS, das Funbike stellt sich beim Beschleunigen ganz locker auf die Hinterhand. Der Power-Zuwachs spiegelt sich natürlich auch in deutlich besseren Fahrleistungen wider. Mit tapferen 222 km/h schneidet die Rennkuh ein gewaltiges Loch in die Atmosphäre. Auf 140 km/h spurtet sie im Vergleich mit der GS rund eine Sekunde schneller, auf 200 immerhin gut drei Sekunden. Beim Durchzug macht sich das leichte Drehmomentdefizit im unteren Bereich allerdings bemerkbar, speziell
zwischen 100 und 140 km/h fehlen einige Zehntel. Was die sportlich ausgerichtete Klientel angesichts der Mehrleistung sicher verschmerzen kann. Zumal die Abstimmung des getunten Triebwerks rundum gelungen, die Gasannahme nicht schlechter als bei der Ausgangsbasis ist. Nur bei Standgas starb die Testmaschine einige Male unvermittelt ab.
Das auf Komfort getrimmte Fahrwerk könnte für den sportlichen Einsatzzweck etwas mehr Straffheit vertragen. Im Serienzustand ist bei dynamischer Fortbewegung ziemlich viel Bewegung im Fahrwerk. Vor allem kleiner gewachsene Piloten irritiert die schwarz gefärbte Verkleidungsscheibe, welche die Sicht nach vorn doch ein bisschen einschränkt. Gt

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