Fahrbericht Boxer VB 1 Sport (Archivversion) Rot, weiß, vau

Boxer zeigt Herz für Fans der Grande Nation und kreiert ein durch und durch französisches Superbike auf Voxan-Basis.

Durch Totalumbauten japanischer Großserienbikes bis hin zu futuristischen Designerstücken machte die Boxer-Equipe aus Toulouse in den letzten zwei Jahrzehnten auf sich aufmerksm. Nun hat sich Boss Thierry Henriette den Traum vom rot-weiß-blauen Flitzer erfüllt. Als Basis dienen nicht nur der 72-Grad-V2 der Voxan, der in Frankreich gesetzlich limitierte 100 PS entwickelt, sondern auch der Rahmen aus Issoire. Jenes Skelett, bei dem zwei voluminöse Rohre, bei der VB 1 allerdings aus Edelstahl, den Lenkkopf und die Schwingenlagerung aus Aluminiumguss miteinander verbinden. Voxan-typisch präsentieren sich ebenfalls das unterhalb des Motors liegende White-Power-Zentralfederbein sowie die 41er-Paioli-Gabel. Bei der Gestaltung der VB 1 wirkte der Brite Glynn Kerr mit, dessen Handschrift unter anderem auch die Voxan Scrambler trägt. Boxer schneiderte der frankophilen Sportlerin ein rassig geschnittenes Kohlefaser-Kleid, das in Verbindung mit der nach vorn orientierten Sitzposition mit tief positionierten Lenkerstummeln stark an die Ducati 996 erinnert. Was auch für die gute Lenkpräzision und Spurstabilität gilt. Die trocken 180 Kilogramm schwere VB 1 verlangt nachdrückliche Kommandos, sobald zackige Kursänderungen gefragt sind, was vor allem schnelle Wechselkurven etwas anstrengend gestaltet. Korrespondierend dazu vermittelt die straffe Fahrwerksabstimmung stets intimen Kontakt zur Fahrbahn. Schnell wird klar, dass der gedrosselte 996-cm³-V2 das VB 1-Chassis unterfordert. Verhalten grummelnd schiebt der per Einspritzung versorgte Twin los, um bereits ab 6500/min etwas zu ermatten - spätestens jenseits der 8000-Touren-Marke ist die Luft endgültig raus. Mehr Feuer verspricht die ungedrosselte 125 PS-Variante, zumal Boxer der VB 1 eine ellenlange Übersetzung verpasste. Dafür heizen die als Öltank dienenden Rahmenrohre und die kunstvoll verlegten Rohre der Auspuffanlage nicht nur dem rechten Oberschenkel, sondern selbst dem Allerwertesten des Piloten ungeniert ein. Versöhnlich stimmen hingegen stilsichere Details wie das in glänzendem Metall gebettete Cockpit samt großem Drehzahlmesser oder das Vier-Augen-Gesicht mit Projektionsscheinwerfern. Sie ziehen den Betrachter in ihren Bann und ihm vielleicht sogar die verlangten 22500 Euro aus der Tasche. Soviel soll die VB 1 nämlich etwa kosten, falls die Produktion tatsächlich wieder in Gang kommen sollte. Gar nicht mal abwegig, bietet die frische Französin doch selbst hinter den Kulissen Solidität. Etwa beim qualitativ hochwertigen Bordwerkzeug, das vom deutschen Hersteller Heyco stammt. Sooo furchtbar chauvinistisch sind die Franzosen nämlich doch nicht.

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