Fahrbericht Buell 1125 CR (Archivversion) Der zweite Streich

Die auf Rennsport getrimmte 1125 R war die erste Buell mit wassergekühltem Motor. Nun lässt ihr Erik Buell mit der 1125 CR das zweite Modell mit dem von Rotax entwickelten und gebauten V2 folgen.

"So eine Maschine wollte ich schon immer bauen. Stark, sportlich, technisch voll auf der Höhe – und unverkleidet. Eine moderne Version des Café Racer. Nichts bemüht auf retro Getrimmtes". Erik Buells Augen leuchten, wenn er über die 1125 CR spricht. "Mann, so haben wir doch damals auch unsere Café Racer gebaut. Ein starkes, aktuelles Bike, alles Unnötige weg- und einen tiefen Lenker drangeschraubt."

Als Basis kam logischerweise nur der Racer Buell 1125 R in Frage. Der üppigen, ausladenden Verkleidung beraubt, dafür um eine knappe – zugegebenermaßen stark nach Suzuki B-King schmeckende – Lampenmaske bereichert. Steht der CR gar nicht mal schlecht. Der Hit ist allerdings der mattschwarze M-Lenker. Genau so ein Teil, wie es vor Urzeiten Heerscharen von Kreidler Florett und Hercules Ultra zu Westentaschen-Racern machte.

Der Lenker ermöglicht dem 1125 CR-Pilot eine Sitzposition, die keinen extremen Bückling verlangt und sich irgendwo zwischen durchaus sportlich und lässig einpendelt. Der Griff zu den breiten, weit nach vorne gesetzten Lenkerenden fühlt sich fast so an, als packe man einen Bullen bei den Hörnern. Und als kauere man direkt über der Vorderachse. Klingt gewöhnungsbedürftig, aber selbst in der Rushhour von Berlin, durch das die ersten Kilometer der Test-Tour führten, dauert die Eingewöhnung nur kurz.

Keine Überraschungen gibt es fahrwerksseitig, schließlich stammen sowohl Chassis als auch die voll einstellbaren Federelemente eins zu eins von der 1125 R. In der Praxis bedeutet dies, dass vorne eine gut abgestimmte Upside-down-Gabel mit großer Hingabe die Unzulänglichkeiten der Fahrbahnoberfläche wegfiltert und mit ihrem feinen Ansprechen selbst auf Kopfsteinpflaster komfortabel arbeitet. Das Federbein, ohne Umlenkung direkt angelenkt und ebenfalls voll einstellbar, geht dagegen auf Flicken und Kanten eine Stufe hemdsärmeliger zu Werke, ohne jedoch auf Absätzen gleich bösartig auszuteilen.

Vom Fahrverhalten her präsentiert sich auch die CR als typische Buell. Aufstellmoment beim Bremsen gehört zum Alltag, und natürlich gibt es handlichere und neutralere Bikes. Wie schon die 1125 R will die 1125 CR mit klaren Ansagen am Lenker auf Kurs gebracht werden, dennoch geht ihre Handlichkeit in Wechselkurven durchaus in Ordnung. Aber Buell waren ohnehin noch nie dem Mainstream verpflichtet.

Wobei die CR an Wendigkeit gewinnt, sobald sie mit dem optionalen höheren und breiteren Lenker bestückt ist. Einerseits. Andererseits harmoniert die aufrechte Sitzhaltung mit dem dicht am Fahrer platzierten Lenker und den hohen Fußrasten nicht so recht. Letztlich ist es Geschmackssache. Doch mal ehrlich, so ein M-Lenker ist schon cool, ein bisschen schräg obendrein – und ein Café Racer mit Hochlenker? Nein, Café Racer, das heißt, gebückt den Fahrtwind erwarten.

Bis hierher sind die Unterschiede zur "R" also überschaubar. Eine Etage tiefer, im Maschinenraum, hat sich deutlich mehr getan. Nicht bei der Höchstleistung. Die ist mit nach wie vor 148 PS mehr als ausreichend und rückt die 1125 CR ganz im Sinne von Erik Buell in den Kreis der stärksten Nakeds.

Aber zum einen haben die Techniker die Endübersetzung deutlich, nämlich acht Prozent kürzer ausgelegt. Was zugleich eine längere Schwinge, die für zehn Millimeter mehr Radstand sorgt, erforderte. Zum anderen wurden Zünd- und Einspritz-Mapping gründlich überarbeitet, zerstäuben nun neue Einspritzdüsen den Kraftstoff und wurde die Lambdasonde weiter weg vom Motor platziert. Allesamt Maßnahmen, die den Durst des Twins bändigen und ihm bessere Manieren beibringen sollen.

Ersteres ließ sich an diesem Fahrtag nicht überprüfen, die Sache mit den Umgangsformen jedoch ist geglückt, das spürt man schon auf den ersten Kilometern. Besitzer einer 1125 R können sich das neue Mapping übrigens beim Händler aufspielen lassen, was laut Buell bereits eine 90-prozentige Verbesserung bringen soll.

Spontan erwacht der kalte V2 zum Leben, wenn auch kurzfristig mit 3000/min. Vibrationen sind dank dreier Ausgleichswellen nicht wirklich ein Thema. Dazu hängt der Twin sehr direkt am Gas. Kleiner Gasstoß und – vrrooap – federt die Buell davon. Vor allem ist das lästige Konstantfahrruckeln, für das die 1125 R noch gescholten wurde, praktisch abgestellt. Ab etwa 2800/min geht es ruckfrei vorwärts. Hat man die Fesseln der Großstadt erst einmal abgestreift, kann das meiste im sechsten Gang erledigt werden. Bereits bei etwa 75 km/h genügt ein Dreh der rechten Hand, und die CR powert mit Schmackes los. Die kürzere Übersetzung in Verbindung mit der neuen Abstimmung verhelfen der Buell zu souveränem Druck und einer kräftigen Mitte. Genau so, wie man es auf der Landstraße schätzt.

Und das bei unverändertem Temperament bei hohen Drehzahlen, wie einige schnelle Runden auf dem Spreewald-Ring zeigen. Sicher ist die CR nicht unbedingt für die Rennstrecke gedacht, gleichwohl wird auf diesem kleinen Kurs mit vielen engen Ecken und einer schnellen, lang gezogenen "Mini-Parabolica" deutlich, was der V2 draufhat.

Energisch schnalzt die CR im zweiten Gang aus einem langsamen Rechtsknick heraus, lupft kurz das Vorderrad und wedelt dabei gar ein wenig mit dem Lenker. Selbst verwinkelte Passagen lassen sich aufgrund der Durchzugskraft und des breiten nutzbaren Drehzahlbands problemlos im Dritten meistern.

Am Ende jenes schnellen Rechtsbogens zeigt die mit neu abgestimmten Bremsbelägen bestückte riesige Achtkolbenzange im Vorderrad, dass die Bremsanlage sowohl an Biss als auch an Dosierbarkeit gewonnen hat.

Allerdings brachten einige schnelle Runden auch zutage, dass die Dämpfung der Upside-down-Gabel unter Rennstress mit zunehmender Aufheizung etwas nachlässt. Doch dafür reagiert das Teil sehr fein auf Setup-Änderungen, zudem passt die Abstimmung für sportliche Gangart auf der Straße durchweg. Und die ist für einen Café Racer schließlich Revier und Maßstab.

Konsequent und erfreulich deshalb, dass die Buell 1125 CR mit ihren Pirelli Diablo Corsa III ausgezeichnete Sohlen trägt. So, wie Erik Buell sich das eben für einen modernen Café Racer vorstellt.

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