Fahrbericht Derbi Senda R 125 4T und SM 125 4T (Archivversion)

Pfad der Jugend

Senda stammt aus dem Spanischen und bedeutet Weg oder Pfad. Können die neuen Derbi-Modelle der hauptsächlich jungen Zielgruppe den Weg weisen?

Der nordspanische Hersteller Derbi übernahm innerhalb eines knappen Jahres gleich vier hochrangige Manager von Aprilia. Sie sollen die Marktposition des traditionsreichen Unternehmens stärken, ausbauen und den Konzern in eine sichere Zukunft führen. Erste Entscheidung der neuen Führungsspitze: Das international wichtige 125er-Segment soll erweitert werden. Dort boten die Spanier bislang nur einen Roller. Zu wenig, um sportlich orientierte Youngster zu begeistern. Neues musste her – richtige kleine Motorräder mit Schaltgetriebe. Doch Derbi verfügt in diesem Bereich über kein eigenes Aggregat. Um Kosten und Zeit zu sparen, gingen die Entwickler bei Honda einkaufen. Sie erwarben einen 125er-Motor, der in den späten Siebzigern debütiert hatte. Altmaterial also? Mitnichten. Der Einzylinder bewährt sich auch in Hondas aktueller XR 125 L, blubbert Euro-2-Norm-gerecht und gilt als sehr zuverlässig. Ein weiteres Argument für den japanischen Antrieb: Durch die eingesparten Entwicklungskosten sichert Derbi als größter europäischer Hersteller von Mopeds und Leicht-Motorrädern auch künftig ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis seiner Fahrzeuge. 3295 Euro für die neue Enduro und 3345 fürs Straßenmodell gehen voll in Ordnung.Und wie sieht es mit der Performance aus? Um das herauszufinden, folgte MOTORRAD einer Einladung von Derbi, die neuen Senda-Versionen, R 125 4T und SM 125 4T, Probe zu fahren. Das Kürzel »R« steht für die Enduro, »SM« für Supermoto. Sie unterscheiden sich zunächst durch die Größe ihrer Räder und ihre Reifen. Außerdem bekam die Supermoto-Version eine größere Bremsscheibe, und die vorderen Kotflügel sind unterschiedlich geformt. Alles andere ist gleich. Das gilt auch für den Motor. Mit seinen zwölf PS reißt der Zweiventiler zwar weder metertiefe Spuren in die Erde, noch setzt er den Asphalt in Flammen. Dennoch schafft es das brave Maschinchen, so-wohl off- als auch onroad die bequemen Sendas artig anzutreiben. Artig, weil zum Beispiel der 125er-MZ-Motor deutlichspritziger zur Sache geht. Aber gut. Im leichten Gelände wühlt sich die Senda R tapfer durch und sorgt aufgrund ihres gutmütigen Charakters für gleichmäßigen Vortrieb. Auf der Straße wirkt der Viertakter etwas zäher. Kein Wunder, denn auf gut ausgebautem Untergrund fällt geringe Leistungsausbeute naturgemäß eher auf. Immerhin erklimmt die »SM« laut Tacho 95 km/h und hält diese zuverlässig. Gefällig zeigen sich die Federelemente. Nicht zu soft ausgelegt, sorgen sie auf festem Untergrund für satte Straßenlage und direktes Fahrgefühl. Im Gelände überzeugt die »R« durch akzeptables Ansprechverhalten von Gabel und Federbein, die erst bei forcierter Gangart an ihre Grenzen gelangen. Sie schlagen relativ spät durch. Die Leistungsfähigkeit der Bremsen konnte dagegen nicht ganz überzeugen, weder mit der großen noch mit der kleinen Bremsscheibe. Offroad fällt dies nicht ins Gewicht, da auf losem Untergrund die Räder schneller blockieren. Auf der Straße muss man dann richtig kräftig am Hebel ziehen, um die beiden Sendas einzufangen. Trotz der hohen Handkraft fühlen sich die Stopper zahnlos an. Durch ihr Handling können die beiden Derbi wieder versöhnen. Easy folgen Enduro und Supermoto den Befehlen des Fahrers, der sie dank der breiten Lenkstange locker im Griff behält. Selbst im winkeligsten Geläuf, das man sich vorstellen kann. In Deutschland stehen beide Versionen ab Ende Dezember zum Verkauf.
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Derbi Senda R 125 4T / Senda SM 125 4T (FB) (Archivversion)

Klaus Nennewitz, 37, Produktmanager bei Derbi, über den Mutterkonzern
Piaggio und die Zukunft der Spanier.
Herr Nennewitz, Derbi gehört zur Piaggio-Group. Inwieweit arbeiten die beiden Firmen zusammen? Piaggio lässt uns fast völlig freie Hand. Außerdem können wir auf deren Know-how in der Motoren-Entwicklung zurückgreifen. Wie wird die Produktpalette von Derbi in Zukunft aussehen? Wir möchten uns breiter aufstellen. In der Vergangenheit baute Derbi fast ausschließlich kleine Zweitakter. Das möchten wir ändern. Die Senda-Viertakter sind der Anfang dieses neuen Weges. Sind denn auch hubraumstärkere Modelle geplant? Wir können uns gut vorstellen, künftig auch Modelle mit etwas mehr Hubraum anzubieten. Derbi ist in der Lage, sehr schnell zu reagieren. Wir glauben, dass eine gelungene Mischung aus Streetfighter, Enduro und Supermoto den Markt bereichern könnte. Außerdem hat Derbi eine große Offroad-Tradition. Mehr kann ich Ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

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