Fahrbericht Derbi Terra 125, Mulhacén 125 (Archivversion) Doppel-Strategie

Derbi ist Spaniens ältester Zweiradhersteller – und, 85 Jahre nach der Gründung, einer der kreativsten in Europa. Nach der spektakulären Mulhacén 659 und dem aufregenden Sport-Scooter GP1 50/125/250 zaubern die Entwickler um Klaus Nennewitz nun einen Vierventil-125er mit 15 PS und Sechsganggetriebe aus dem Hut, der gleich zwei neue Modelle antreibt: die Soft-Enduro Terra 125 und die sportliche Mulhacén 125, die gekonnt Design-Elemente der 659 aufgreift. Das Kunststück dabei: Mit dem gleichen Motor und weitgehend identischen Fahrwerken entstanden zwei 125er mit ganz unterschiedlichem Design und völlig verschiedem Charakter.
Mit ihrer aufrechten, entspannten Sitzposition, viel Überblick hinter einem breiten Lenker und bei höherem Tempo durchaus spürbarem Windschutz dank der kleinen Cockpitverkleidung empfiehlt sich die Terra als praktischer Allrounder für jeden Tag. In ihrem weichen, deutlich gestuften Sattel fühlen sich Menschen bis 1,85 Meter und auch ein Sozius wohl. Der Einzylinder hängt stets sauber am Gas und läuft sehr leise, deshalb stört es wenig, dass er zum Anfahren Drehzahlen über 4000/min braucht. Ab 6000 Touren geht’s gut voran, willig dreht der Vierventiler bis über 10000/min. Dabei zappt die leichtgängige Schaltung flott durch die sechs Gänge. Vibrationen sind kaum spürbar und nie lästig.
Die Terra fährt sich spielerisch und außerordentlich handlich, hat einen kleinen Wendekreis und lenkt neutral ein. Die Fahrpräzision ist in Ordnung – vor allem gemessen an der Tatsache, dass das Fahrwerk komfortabel abgestimmt ist und so ziemlich alle Unebenheiten wegschluckt. Die Terra bremst auch gut – sanft im Angang und heftig bei Bedarf, taucht wegen der lang-hubigen, weich abgestimmten Gabel dabei vorn aber enduromäßig tief ein.
Die sportlichere, zierlichere und straffere der beiden neuen Derbi-125er heißt Mulhacén. Ihre ansprechende Optik lässt sich durch auswechselbare Tank-Seitenverkleidungen in verschiedenen Farben individueller gestalten. Trotz niedrigen Sattels finden hier Menschen jeder Länge eine aktive und stärker nach vorn orientierte, aber durchaus bequeme Sitzposition. Das Cockpit der Mulhacén 125 ist auf ein kleines LCD-Instrument reduziert, das in den Tiefen seines Menüs unter anderem mit Lap-timer und Durchschnittsgeschwindigkeit aufwartet. Windschutz gibt’s nicht, was die erreichbare Vmax spürbar an die Länge des Fahrers koppelt. Der kultivierte Motor klang in der gefahrenen Mulhacén etwas sonorer als in der Terra und wirkte bei niedrigen Drehzahlen kräftiger, was der Serienstreuung zuzurechnen sein mag.
Die Mulhacén fährt sich direkter, präziser und angriffslustiger als die Terra. Und dank strafferer Gabel lässt sich das Potenzial der Vorderradbremse besser nutzen: Sie bringt massig Verzögerung, ohne bissig oder giftig zu wirken. Das Handling sowie die Leichtigkeit der Mulhacén machen einfach Laune. Sie lenkt präzise ein und lässt sich sauber um die Ecken zirkeln, ihr Fahrwerk liefert gute Rückmeldung, die Federelemente sprechen fein an. Dass sie wegen kürzerer Arbeitswege schneller an ihre Grenzen stoßen, muss man verschmerzen – oder sich für die komfortab-lere Terra entscheiden. we

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