Fahrbericht Ducati Monster 900 Spezial (Archivversion) D. Düsentrieb

Die große Monster hat jetzt viele kleine Helferlein: eine Einspritzung zum Beispiel. Und einen Drehzahlmesser. Und 17 andere Sachen, die sie wappnen sollen – vor den respektlosen Angriffen aus der direkten Nachbarschaft.

Wer hat Angst vor Ducatis Monster? Nieeemand! Nicht mal mehr die Konkurrenz im eigenen Land. Schamlos schraubt die momentan Plagiate zusammen. Macht Druck. Cagiva von oben: Raptor heißt das Biest. Designed by dem Mann, der auch die Monster entwickelt hat, powered by Suzuki, namentlich TL 1000 S. Von unten her greift Laverda an. Mit der Lynx – auf den Namen muss man erst mal kommen. Und wieder ist ein Suzuki-V2 im Spiel, Typ SV 650.Schwere Zeiten für Ducati. Aber die Bolognesen sind ja auch nicht vollkommen blind. Die Bedrohung voll im Visier, wurde die Monster-Familie therapiert. 600er, 750er, 900er, allesamt rühmen sich erstarkter Fähigkeiten: Bremsen, Federelemente, Sitzposition besser, Räder und Kupplungsbetätigung leichter, Styling einen Hauch moderner und – jetzt kommt’s – Seitenständer fix! Nach all den Jahren und zigtausend Bruchlandungen klappen die Dinger endlich nicht mehr selbstständig ein. DANKE.Die gründlichste Überarbeitung erfuhr freilich die M 900. In ihrer Rolle als Vorzeige-Monster wird sie fortan von einer Einspritzung unterstützt. Wer zudem auf acht Ventile hoffte, hat Pech gehabt. Es bleiben deren vier, aber immerhin sind sie im Durchmesser größer geworden. Das Ergebnis der Motor-Revision in Zahlen: 78 PS und 73 Nm. In Worten: kaum zu fassen. Wirkt wie frisch aufgedreht, der Desmo-L2. Ja, Ducati schreibt jetzt konsequent »L«! Pocht auf die 90 Grad Zylinderwinkel. Nachdem nun wirklich jeder einen Vau-Zwei hat. Der L also ist kaum wiederzuerkennen. Schreit in allen Drehzahlbereichen: hier. Macht untenrum auf Kultur, in der Mitte auf Power und oben auf unermüdlicher Beißer. Dynamischen Beistand liefert das enger gestufte Ducati 748-Getriebe, den Rest erledigt die aggressivere Tonart der neuen Auspuffanlage.Unter normal-bürgerlichen Bedingungen begnügt sich die 900er mit fünf Litern Super – wie gehabt. Den Hahn stets am Anschlag werden’s 7,7. Viel ist das nicht. Vollgas heißt laut Tacho übrigens 220 km/h; laut Tourenzähler 8700/min. Tourenzähler – richtig gelesen. Tatsächlich gewährt uns die Monster nun Einblick in ihre Dreharbeit. Dass wir das noch erleben durften, ist fast so erstaunlich wie der wundersame ergonomische Wandel: Man sieht die Veränderungen kaum, sitzt aber zehnmal besser. Nicht mehr so tief drin und trotzdem näher dran. Die Kuhle im Sattel ist weg, der Knieschluß da – und überhaupt fühlt sich alles präziser an. Auch die vordere Bremse. Ein weiteres Vermächtnis der 748, inklusive Aluminium-Adapter, Stahlflexleitungen und Radial-Pumpe.Monster Spezial, wie der Name schon sagt, ein besonderer Fall. Sie kostet 2000 Mark mehr als die Basis-Version, protzt dafür aber mit wichtigen, voll einstellbaren Federelementen. Hinten Öhlins und gut. Vorn Showa und nicht so schlecht. Allerdings ziemlich bockig, wenn sie harte Stöße abfangen soll. Ist aber wurscht, weil diese Monster auch so die pfiffigste ist, die es je gab.

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