Fahrbericht Highland 950 V2 Outback (Archivversion) Es kann nur eine geben

Sie ist bärenstark, wieselflink, und sie kennt keine Gegner: die Highland 950 V2 Outback mit über 70 PS Leistung bei einem Gewicht unter 150 Kilogramm. Eine Enduro, wie es sie bisher nicht gab.

Heutzutage ist es nicht leicht, wirkliche Neuheiten zu schaffen. Hier ein PS mehr, da ein Kilo weniger, Sensationen sind rar. Die verspricht nun aber der schwedische Hersteller Highland mit der Outback, ein echter Gelände-Hammer mit V-Zweizylinder-Antrieb. Nicht vergleichbar mit den Dickschiffen von BMW oder Honda, eher wie ein sportlicher Off Road-Single, nur mit unendlich viel Druck. Das Geheimnis dieses Konzepts ist der Antrieb. Die Konstruktion des 55 Kilogramm schweren 60-Grad-V-Motors stammt von Folan, mittlerweile wird der dohc-Vierventiler bei Highland in Südschweden gefertigt und montiert. Stramme 75 PS von ursprünglich angepeilten 100 bleiben in der geräuschgedämpften Serienversion. Immer noch eine Menge Holz für eine 145 Kilogramm leichte Enduro. Per E-Starter erwacht der Motor zum Leben, ein Kickstarter fehlt. Bei intakter Batterie läuft die Outback zuverlässig an. Ansonsten - so bei den Probefahrten im Gelände einmal der Fall -, ist Schieben angesagt. Leichte Vibrationen sind bereits im Leerlauf spürbar. Im unteren Drehzahlbereich gebärdet sich der V-Motor gar wie zwei asynchron stampfende Husabergs, höhere Drehzahlen stimmen die Outback gnädig. Im Gelände stört das kaum, beim niedertourigen Bummeln auf der Landstraße können die Vibrationen aber auf Dauer lästig werden. Der Schub aus dem Keller ist ordentlich, angesichts des üppigen Hubraums aber kaum überraschend. Erst ab dem mittleren Bereich wird klar, daß die Outback die Kraft zweier Herzen hat. Sie schiebt und schiebt, dreht dabei klaglos bis fast 10000/min. Wie schnell die Highland ist, ließ sich wegen grober Geländereifen und kurviger Landstraßen nur erahnen, die angegebenen 190 km/h erscheinen jedoch realistisch. Die Reifen sind gnerell ein Problem: Derzeit gibt es in den Größen 21 Zoll vorn und 18 Zoll hinten keine Stollenreifen, die über 170 km/h zulassen. Die Serienmaschinen sollen vorerst mit Metzeler-Enduro 3 und 170-km/h-Speedlimit-Aufkleber auf dem Tacho verkauft werden. Der Geradeauslauf ist sogar mit grober Bereifung bei Tempo 160 beruhigend. Das Handling stimmt ebenso, fast wie eine LC 4 läßt sich die 950er um die rutschigen Kurven rund um den Lago d´Iseo zirkeln. Aber nicht wegen der Sträßchen wählte der Importeur Andy Zimmerer die Gegend nahe Bergamo für die Präsentation. Vielmehr um den Beweis zu erbringen, daß ein V-Zwo im Gelände den Vergleich mit sportlichen Singles nicht scheuen muß. Bereits an der ersten Steilauffahrt mit tiefen, ausgewaschenen Rillen überrascht die Highland. Dank des Motors baut sie unwahrscheinlich viel Traktion auf. Wo mancher Einzylinder mit hoppelndem Hinterrad verzeifelt Halt sucht, bringt der Doppelschlag des Zweizylinders kontinuierlichen Grip. Die etwas geringere Bodenfreiheit mindert den Vortrieb nur in Extremfällen. Auf den anschließenden verschlungenen Pfaden mit Geröll und Wurzeln wächst allmählich das Zutrauen, die Outback gefällt mit gutem Handling und neutraler Lenkung. Sicherlich nicht so behende wie eine TE-Husky, kommt sie einer E-Start-LC 4 oder einer TT 600 R nahe. Einer Hard-Enduro gemmäß sind auch die langhubigen Federelemente. Die sensible WP-Extreme-Gabel zeigt sich höchsten Belastungen gewachsen. Das direkt angelenkte Federbein spricht ebenfalls sanft an, auf Buckelpisten verliert das Hinterrad aber den Bodenkontakt. Die krachende Landung nach kleinen Hüpfern weist nachdrücklich auf Grenzen der Belastbarkeit hin, es fehlt der hinteren Federung an Progressivität. Dennoch. das Konzept der Highland begeistert, es erschließt neue Off Road-Dimensionen. Damit die Euphorie der Käufer, die stolze 24500 Mark hinblättern müssen, dauerhaft ist, müssen die Schweden aber noch reichlich nachbessern. Denn die Testfahrten förderten bei den Prototypen - die zugegebenermaßen extrem hart rangenommen wurden - jede Menge Probleme zutage. Ein Fragezeichen gilt der thermischen Standfestigkeit, die Vorserien-Maschinen wirkten ziemlich heißblütig. Das Öl spritzt zudem nur gegen die Kurbelwelle, ob die untere Pleuellager das bei hohen Dauerdrehzahlen mitmachen? Die Motorentlüftung blies Öl in den Luftfilterkasten, die Kupplung litt an rupfenden und quellenden Belägen. Die Vergaser müssen im Teillastbereich noch besser abgestimmt werden, dazu kommen hier und da kleinere Verarbeitungsmängel. Es gibt noch viel zu tun bei der Einzigartigen.

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