Fahrbericht Honda CB Two Fifty (Archivversion)

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Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur untaugliche Motorräder. Der Stuttgarter Winterdienst hat etwas Taugliches entdeckt.

Horst Koslowski fährt Unimog. Bei jedem Wetter, Sommer wie Winter, und er hat noch nie einen Gedanken daran verschwendet, ob sein fahrbarer Untersatz hübsch ist. Wozu auch, das Ding ist bequem, zuverlässig und kommt immer und überall durch. Fast überall, denn im morgendlichen Berufsverkehr ist das Allrad-Gerät dann doch etwas unhandlich. Horst Koslowski braucht etwas Kleines, ein Motorrad für alle Tage, eine Honda CB Two Fifty.Das im spanischen Montesa-Werk für Honda zusammengesteckte Gerät ist einfach nur Motorrad. Kein Chopper, kein Cruiser, kein Sportler und eine Enduro sowieso nicht. Form, Design? Na ja, ein bißchen. Der aufmerksame Betrachter erkennt in der Tank-Sitzbank-Linie den flotten Schwung der frühen Achtziger wieder - Honda FT 500, wir erinnern uns. Doch in erster Linie soll der zielgruppenfreie Zweizylinder praktisch sein. Der besagte Tank faßt 16 Liter. Das ist bei rund vier Litern Verbrauch recht praktisch. Die angesprochene Sitzbank bietet bequemen Platz für zwei ausgewachsene Winterdienst-Arbeiter. Das ist für die Bildung von Fahrgemeinschaften sogar sehr praktisch.Die rund drei Zentner leichte Honda hat etwas von einem stillen Örtchen. Zum einen in Sachen Sitzposition des Fahrers: Die Fußrasten sind etwas zu weit vorn angebracht. Zum anderen in Sachen Lebensäußerungen: Stand- und Fahrgeräusch des konventionell gestrickten Twins sind so ziemlich das leiseste, was derzeit auf dem Markt ist. Das Anlassen klappt völlig problemlos. Der unterhalb des Tachos plazierte Chokeknopf läßt sich mit dicken Winterhandschuhen nur etwas fummelig bedienen, dafür genügt aber bereits ein zartes Berühren des Anlasserknopfes, damit der Zweizylinder sofort seinen Dienst aufnimmt. Auch bei minus fünf Grad kann die Starthilfe bereits nach wenigen hundert Metern vollständig zurückgenommen werden, der 17-PS-Motor läuft rund und nimmt sauber Gas an. Nun wird auch deutlich, warum für den Viertelliter Hubraum nicht nur ein Topf genügte, sondern es deren zwei sein durften: Der Zweizylinder vibriert so gut wie gar nicht und gibt sich ungemein drehfreudig, seine Laufkultur ist tadellos.Gedreht werden darf aber nicht nur, es muß sogar. Unter 4000/min spielt sich wenig bis gar nichts ab. Bei 6000/min wird der Twin munter, knapp oberhalb von 8000/min ist dann Feierabend mit der Leistungsabgabe. Der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt bei 9400/min. Ein theoretischer Wert, denn im lang übersetzten fünften Gang hat der Motor Mühe, überhaupt die 8000er Marke zu überschreiten, und selbst im vierten Gang bedarf es einer gewissen Böswilligkeit, um in die Nähe des kritischen Drehzahlbereichs zu gelangen. Das Durchzugsvermögen wirkt subjektiv eher mäßig. Schuld an dieser offensichtlichen Fehleinschätzung ist der völlig unspektakulär laufende Motor. Wer nämlich zur Abwechslung mal mit Sozius unterwegs ist, wird feststellen, daß die kleine Honda das Mehrgewicht fast ohne Leistungseinbruch verkraftet. Es muß kaum früher geschaltet werden, die ordentlichen Fahrleistungen bleiben fast unverändert. Egal ob solo oder zu zweit, die Handlichkeit der Honda ist hervorragend und der gebotene Komfort recht passabel. Mit der gut zu dosierenden und äußerst wirksamen Scheibenbremse im Vorderrad lernen auch Anfänger das genußvolle Spätbremsen. Die Wirkung der hinteren Trommel ist kaum spürbar, aber Hinterradbremsen ist ja bekanntlich sowieso entbehrlich - ein weiterer Lerneffekt.Ausstattung, Verarbeitung und Bedienungsfreundlichkeit der spanischen Japanerin sind auf gewohnt hohem Honda-Niveau. Mit ein paar kleinen Ausnahmen allerdings: Das konventionelle Lenkschloß am Steuerkopf ist Motorrad-Steinzeit, der Halteriemen auf der bereits im Neuzustand Falten werfenden Sitzbank ist es ebenfalls, und eine Öldruck-Kontrolleuchte ist einfach nicht vorhanden. Der serienmäßige Hauptständer, die volle Rücksicht garantierenden Spiegel und das sehr gute Abblend- und Fernlicht passen dann aber wieder ins Honda-Bild. Der Preis von 7195 Mark paßt ebenfalls, der Gegenwert ist absolut korrekt.
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Honda CB Two Fifty (Archivversion)

MotorLuftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, zwei über Kipphebel betätigte Ventile pro Zylinder, ein Keihin-Gleichdruckvergaser, O 26 mm, kontaktlose CDI-Zündung, E-Starter, Drehstromlichtmaschine 190 W, Batterie 12 V/6 Ah.Bohrung x Hub 53 x 53,8 mmHubraum 238 cm3Verdichtungsverhältnis 9,2 : 1Nennleistung 17 PS (13 kW) bei 8000/minMax. Drehmoment 1,7 kpm (17 Nm) bei 6500/minKolbengeschwindigkeit 16,9 m/sek bei 9400/minKraftübertragungPrimärantrieb über Zahnräder, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.FahrwerkEinrohrrahmen aus Stahl, unten offen, Telegabel, Standrohrdurchmesser 31 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, zwei Federbeine mit verstellbarer Federbasis, Einscheibenbremse vorn, Trommelbremse hinten.Federweg vorn 123 mm hinten 110 mmReifengröße vorn 90/100-18 hinten 120/90-16Maße und GewichteSitzhöhe 755 mmGewicht vollgetankt 152 kgZulässiges Gesamtgewicht 332 kgZuladung 180 kgTankinhalt/Reserve 16/3 LiterFahrleistung/VerbrauchHöchstgeschwindigkeit 113 km/hVerbrauch 4,1 Liter/100 kmAusttattung/PreisLieferbare Farben: Rot, SchwarzPreis inkl. MwSt.und Nebenkosten 7195 Mark

Mein Fazit (Archivversion)

Macht Motorradfahren bei jedem Wetter Spaß? Ja, weil der Spaß darin liegt, flotter als Autofahrer zur Arbeit zu kommen und auf überfüllte Busse und Bahnen verzichten zu können. Macht die Honda CB Two Fifty Spaß? Jawoll, denn sie bewältigt den Allwetterbetrieb sparsam, bequem, zuverlässig, handlich und durchaus munter. Klaus Herder

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