Fahrbericht Honda Hornet 600, Modell 2005 (Archivversion) Fruchtzwerg

Frisch und fruchtig präsentiert Honda den 2005er-Jahrgang der kleinen Hornet. Markanter Look, Upside-down-Gabel und orangefarbener Lack machen den Kurvenflitzer zur Vitamin-Bombe.

Schon Goethe, der alte Fuchs, hat es in Versen gefeiert: »Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn...?« Er meinte Italien, Heimatland der Hornet 600. Sie entsteht im Honda-Werk Atessa, als Motorrad für europäischen Geschmack. Mit einzigartigem Erfolg. Seit ihrem Debüt im Jahr 1998 avancierte sie zum Topseller in Europa. Allein von 2001 bis 2003 betörte sie 68710 Käufer, die Mehrzahl von ihnen jünger als 30 Jahre.
Wie eine Vitaminspritze wirkt der aktuelle Gold-Orangen-Look, Pardon: Lack.
Auffällig und doch edel, verdammt sinn-
lich und mutig für eine Honda. Schwer
angesagt ist die markante, asymmetrische Lampenmaske. Dahinter stecken neu gezeichnete Instrumente, in denen eine Stoppuhr Zeiten misst. Schließlich ist die Hornet zum Toben geboren, gesegnet
mit vollgetankt nur rund 200 Kilogramm Kampfgewicht. Und bestechendem Handling. Äußerst agil saust und braust die 600er durchs Kurvenlabyrinth, nimmt Lenk-
impulse dankbar an.
Daran hat, typisch Honda, die tolle
Ergonomie ihren Anteil. Lenker, Fußrasten, Sitzbank, alles passt. Letztere bietet dank rutschfesterem Bezug einem Sozius mehr Halt und wegen schmaler Kontur im Frontbereich weiterhin kleinen Fahrern sicheren Stand. Man oder frau verwächst geradezu mit dem Fruchtzwerg, wird flott von ganz allein. Bald schon fräsen die Angstnippel an den Fußrasten Furchen in den Asphalt. Kein Kunststück, angesichts haftfreudiger Michelin-Reifen Pilot Road »S«. Transparent und effektiv fangen die einfach gestrickten Bremsen die Hornisse auf der Jagd nach Nektar wieder ein. Allerdings unter starker Aufstelltendenz in Schräglage.
Gutmütig agiert das überarbeitete Fahrwerk. Als Besonderheit in der Mittelklasse nun mit Upside-down-Gabel. Sie hat 41er-Stand- und gold eloxierte Tauchrohre und stammt in ihren Grundzügen aus der CBR 600 RR. Sagt Honda. Der Ver-
zicht auf jede Verstellmöglichkeit lässt sich verschmerzen. Satt ist die Druckstufe gedämpft, etwas lascher die Zugstufe. Prima passt die Federrate. Deutlich trockener verdaut das direkt angelenkte Federbein Fahrbahnunebenheiten, lässt den Fahrer übers Straßenrelief nicht im Unklaren. Wie bei der Gabel ist auch beim Zentralfederbein die Dämpfercharakteristik geändert.
Nur marginale Änderungen erfuhr der quirlige, wassergekühlte Vierzylinder. Zehn Jahre ist er nun alt, basiert auf der CBR 600 PC 31 von 1995, letztlich sogar auf der noch älteren PC 25. Kein Problem. Er tritt von unten elastisch an, wird jedoch erst in der zweiten Hälfte des Drehzahlspektrums richtig lebendig – und das reicht immerhin bis 13000/min. Jenseits der 8000 wird der Vortrieb zornig, die Supersportgene lassen grüßen. Ebenso die feinperligen Vibrationen, die jedoch nicht besonders stören. Das tun eher derbe Lastwechselreaktionen, vor allem in den unteren Gängen; die Hornet hängt sehr direkt am Gas und hat viel Spiel im Antriebsstrang.
Etwas knorpelig gerät das Sortieren der Gänge, recht lang übersetzt gibt sich der Sechste. Die Gemischaufbereitung übernehmen noch immer 34er-Vergaser. Sie haben Drosselklappensensor und Magnetventile in den Schwimmerkammern. Diese schließen die Spritzufuhr bei schlagartig zugedrehtem Gashahn, um den U-Kat vorm Verglühen zu bewahren. Warum nicht gleich Einspritzung? Zusätzlich reinigt ein Sekundärluftsystem die Abgase. Aus dem ovalen, hoch gelegten Endtopf, Charakteristikum der Hornette, brabbelt’s angenehm dumpf und unaufdringlich.
Gehobene Ansprüche erfüllt die Ausstattung. Warnblinkanlage und elektronische Wegfahrsperre, zwei H11-Multireflektor-Lampen für Fern- und Abblendlicht im gewölbten Rundscheinwerfer. Pflegeleicht sind die Edelstahlkrümmer, charmant und chic die neuen Blinker mit abgedunkel-
ten Gläsern. Schade nur, dass der Kupp-
lungshebel nicht einstellbar ist, die Spiegel
und die einfache Stahl-Kastenschwinge ein wenig altbacken wirken. Doch keine Klagen, denn der Preis liegt unverändert bei 7190 Euro. Die Hornet gibt’s auch
in dezenteren Farben, Silber, Schwarz und mattem Hellblau. Weniger fruchtig, aber ebenso gehaltvoll.

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