,Fahrbericht Honda Hornet 900 (Archivversion) Soll und Haben

Nach dem technischen Überschwang einer X-Eleven macht Honda mit der Hornet 900 im Revier der großen Nackten eine neue Rechnung auf, die unter ganz anderen Vorzeichen steht.

Da mögen die bei Honda doch insgeheim so manche Maus gemolken haben. Stellen mit der X-Eleven ein Motorrad auf die Beine, das alles hat. Bärenstarken Motor, superstabiles Fahrwerk, Einspritzung, G-Kat, Verbundbremssystem. Doch den ganz großen Erfolg haben andere. Bei den Naked Bikes gilt offensichtlich: Weniger ist mehr.Nun also Hornet 900. Ein Motorrad, bei dem das »Weniger« auf den ersten Blick erkennbar ist. Kein Wunder, übernahm die große Hornet doch nahezu sämtliche relevanten Fahrwerksdaten von der kleinen Schwester. Radstand, Lenkkopfwinkel, Felgen, Reifen – alles im 600er-Format. Wäre da nicht der zweite, ebenfalls unter dem Rahmenheck hochgezogene Schalldämpfer, die Unterscheidung fiele schwer.Im Stand. Denn schon die ersten Lebensäußerungen machen klar, dass hier Großes zu erwarten ist. Tief und satt singen die kurzen Gasstöße das Hohelied vom Hubraum, das so gar nicht zum zierlichen Erscheiniungsbild der Hornet passen will. Im Gegenteil: Da werden Assoziationen an die Fireblade wach. Nicht zu Unrecht, denn in der Tat steckt der Motor der 1998er-Feuerklinge im nur unwesentlich veränderten Mono-Backbone-Rahmen der kleinen Hornet. Dessen Wandstärke wurde angesichts der drohenden Gewalten von 1,6 auf 2,3 Millimeter verstärkt, und dessen Lenkkopf nimmt nun eine 43er- statt einer 41er-Gabel auf.Ob das reicht? Zweifel kommen auf, weil eine ausgewachsene 900er wohl noch nie so klein, so zierlich war. Trotz des im Vergleich zur 600er-Hornet größeren Tanks (19 statt 16 Liter). Und trotz einer um 20 PS auf 110 PS zurückgenommenen Spitzenleistung, weil nun eine Einspritzung mit 36er-Drosselklappen für die Gemischbildung sorgt, die Verdichtung zurückgenommen und die Steuerzeiten geändert wurden. Doch reicht das wirklich für ein stimmiges Konzept?Na klar reicht das, denn immerhin hat die 600er bereits 95 PS. Mehr noch. Bei diesem puristischen Motorrad regiert der Überfluss. Dafür sorgt das maximale Drehmoment von 92 Nm, das nun schon bei 6500/min bereitsteht und in Verbindung mit einer kürzeren Sekundärübersetzung von den ersten Metern an klarmacht: Jetzt geht es vorwärts. Zaudern ist der Hornet völlig fremd. Hart geht sie ans Gas, setzt jeden noch so kleinen Dreh am Gasgriff in vehementen Vortrieb um. Beschleunigung wird zum Erlebnis.Und zwar zu einem ohne Reue, da das Fahrwerk tapfer mitspielt, wacker geradeaus läuft, wieselflink – kein Wunder bei einem Trockengewicht von 194 Kilogramm – von einer Schräglage in die andere fällt, um dann auch unter schwierigen Bedingungen den Kurs zu halten. Dass die Abstimmung der nicht einstellbaren Gabel auf der komfortablen Seite liegt und sich die 900er beim Bremsen in Schräglage zumindest mit der Michelin-TX 15/25-Bereifung deutlich aufstellt, nimmt man gerne in Kauf, weil das Kurvenräubern in der versammelten, doch nicht unbequemen Sitzposition selten so viel Spaß gemacht hat. Anbremsen – die Bremsanlage der 1996er-Fireblade verrichtet ihre Arbeit tadellos –, umlegen. Und dann kommt das Beste. Richtig Feuer, egal in welchem Gang. Braucht irgend jemand mehr? Einen kleinen Preis vielleicht noch. 17191 Mark und 75 Pfennig verlangt Honda für die große Hornet. Das ist dann wirklich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Soll und Haben.

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