Fahrbericht: Honda Varadero XL 125 V (Archivversion)

Die Minidero

Sie heißt und sieht aus wie die Große. Fährt sich die kleine Varadero auch so?

Schatz, ich bin schwanger, flüsterte die Varadero zärtlich ihrem Partner, dem gutmütigen Reisegaul Transalp, ins Ohr. Der freute sich riesig. Wer hätte das gedacht? Auf seine alten Tage... In München auf der Intermot erblickte die Kleine dann das Licht der Welt. Sie ist der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Und nach ihr sollte es auch heißen: Varadero. Von der Statur schlägt sie aber eher dem Vater nach: kompakte, überschaubare Transalp-Maße. Tausende Besucher bestaunten das Neugeborene und war sich schnell einig: ein großer Wurf. Besonders für eine 125er. Jetzt hat die Kleine laufen gelernt.Und wie. Denn neben dem für eine 125er ungewöhnlich erwachsenen Auftreten ist der extrem drehfreudige 90-Grad-V2-Motor das wohl charakteristischste Merkmal der Varadero. An die Sitzposition gewöhnt man sich im Handumdrehen, einfach deshalb, weil es an ihr nichts Gewöhnungsbedürftiges gibt. Aufrecht, die Arme fast gestreckt, die Ergonomie passt perfekt. So muss sich ein modernes Reisemotorrad anfühlen. Ja, stimmt schon, Motorrad, denn von einem Leichtkraftrad hat die Honda höchstens das 125 in der Typenbezeichnung. Und die Bremsen vielleicht. Aber dazu später.Erst mal steht der Motor im Mittelpunkt. Und hier dauert die Gewöhnung deutlich länger. Ab 4000 Umdrehungen, die der Drehzahlmesser im schnörkellosen Cockpit dokumentiert, kommt von Achtelliter-Zweizylinder Vortrieb, aber noch kein richtiger Schub. Sanft, fast wie ein Boot, setzt sich die XL 125 V in Bewegung: souveränes Gleiten, unterstrichen vom weichen Surren des wassergekühlten V-Motors. Für gemütliches Touren reicht’s, dynamische Fortbewegung jedoch ist etwas anderes. Dafür muss man die Nadel schon über 8000/min hochtreiben – und plötzlich hat der Motor das Messer zwischen den Zähnen. Erst ab 12000 Umdrehungen zeigt die Skala Rot und droht mit dem Begrenzer. Dazwischen – und mit Hilfe einer ganzen Menge Schaltarbeit vom Fahrer – geht die Varadero ab wie ein übermütiges Fohlen.Auf wackeligen Beinen steht sie dabei nie. Schließlich hat Honda beim Fahrwerk ebenfalls nicht gerade auf Kindergrößen gesetzt: Die Reifendimensionen mit vorn 18, hinten 17 Zoll entsprechen exakt denen der XL 650 V Transalp, von der übrigens auch der stabile Gepäckträger mitsamt Haltegriffen stammt. Und bei der Gabel weisen die Techniker stolz auf deren Maße hin: 35 Millimeter Standrohrdurchmesser – das hatte einst die CB 900 Bol d’Or. So ist die Honda geradeaus selbst bei Vollgas im fünften Gang – der Tacho zeigt dann 110 km/h Spitze – nicht aus der Ruhe zu bringen.Und auch wenn sich der Asphalt windet und Blasen wirft, spielt sie noch munter mit: Lenkpräzision und Zielgenauigkeit gehen absolut in Ordnung. Leichte Schotterpassagen bewältigt die serienmäßig mit dem Bridgestone Trail Wing bereifte Varadero ebenfalls. Nur zu zweit, da werden solche Aktionen zur Wackelnummer. Zwar bietet die Sitzbank Platz für eine ganze Kleinfamilie. Aber bei entsprechender Beladung kommt der Motor, aufgrund der Führerschein A1-Regelung auf 15 PS beschränkt, an seine Grenzen. Nicht, dass es zum Vorwärtskommen nicht reichen würde. Doch auf losem Untergrund spontan so viel Kraft zu entwickeln, das die geschwindigkeit die Fuhre stabilisiert, das ist zu viel verlangt. Kann ihr aber wohl niemand ernsthaft vorwerfen. Denn irgendwo muss sich die kleine Varadero ja auch als das geben, was sie ist. Eine 125er.Ob das allerdings bei den Bremsen unbedingt nötig war, ist ein anderes Thema. Ihre Wirkung ist zwar ausreichend, doch sie lassen sich vorn wie hinten nur schwer dosieren und besitzen dazu noch einen schwammigen Druckpunkt. Aber vielleicht wird das noch. Wenn die Kleine erst mal Zähne kriegt.
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HONDA Varadero 125 (Archivversion)

DatenMotor: Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, Kurbelwelle querliegend, eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, Kipphebel, Nasssumpfschmierung, (Gemischhersteller) Gleichdruck-Flachschiebervergaser, Ø 22 mm, Kondensatorzündung (CDI), Sekundärluftsystem, E-Starter, Drehstromlichtmaschine xxx WattBohrung x Hub 42 x 45 mmHubraum 125 cm³Verdichtungsverhältnis 11,8 : 1Nennleistung 11 kW (15 PS) bei 11 000/minMax. Drehmoment 11 Nm (1,1 kpm) bei 9000/minKraftübertragung: Primärantrieb über Zahnräder, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kette.Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Standrohrdurchmesser 35 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlprofilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Doppelkolbensattel, Ø 276 mm, Scheibenbremse hinten Einkolbensattel, Ø 220 mm.Alugussräder X.XX x 18; X.XX x 17Reifen 100/90 - 18; 130/80 - 17Fahrwerksdaten: Radstand 1450 mm, Lenkkopfwinkel xx° , Nachlauf xxx mm, Federweg v/h 150/150 mmMaße und GewichteL/B/H* 2140/830/1255 mmSitzhöhe* 800 mmLeergewicht* 149 kgZulässiges Gesamtgewicht* kgZuladung* kgTankinhalt/Reserve* 17,5/2 LiterGarantie Ein Jahr ohne Kilometerbegrenzung Farben Blaumetallic, Rot, SchwarzGrundpreis inkl. MwSt. 8 770 Mark

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