Fahrbericht Italjet Formula 125 (Archivversion) Na endlich

1994 wurde der Italjet Formula 125 erstmals vorgestellt. Jetzt ist der Zweizylinder-Roller endlich serienreif.

Schon bei der ersten Präsentation leckten sich die Rollerfans die Finger nach dem Italjet Formula 125. Schließlich hatte der italienische Hersteller dem Zweirad eine technische Besonderheit verpaßt, die große Erwartungen weckte: Der Formula 125 ist der erste moderne Roller mit einem Zweizylinder-Zweitaktmotor. Die Ingenieure hatten aber noch lange Zeit mit diversen technischen Problemen zu kämpfen. Die Lichtmaschine war in den Prototypen nicht leistungsstark genug, der Gummi-Keilriemen der Variomatik mußte gegen einen aus Kevlar ersetzt werden, und auch bei der Zündung gab es einige Probleme. Doch was lange währt, wird endlich gut. Mitte Februar durften die ersten Modelle auf der Rennstrecke in Imola endlich beweisen, was in ihnen steckt. Daß sie auf dem Circuito nicht fehl am Platze sind, zeigen die kleinen Renner schnell. Dabei schöpft das Zweizylinder-Triebwerk nicht einmal die für den 1b-Führerschein erlaubten 125 cm³ Hubraum und 15 PS Leistung aus. Die Konstrukteure beim Motorenspezialisten Franco Morini griffen auf den Zylinder des kleineren Bruders Formula 50 zurück und verpaßten diesem statt 37,5 Millimeter Hub deren 43 bei gleicher Bohrung. Das Ergebnis sind ganze 114 cm³ Hubraum. Daß auch nur 13 Pferdchen am Keilriemen im stufenlosen Automatikgetriebe zerren, stört bei der ersten Testfahrt nicht. Schließlich zieht der Italjet ordentlich los und erreicht laut Tacho erstaunliche 140 km/h. Was freilich weit übertrieben ist. Das Fahrwerk, fast identisch mit dem des Formula 50, hält forscher Gangart jedenfalls klaglos stand. Spurstabil und präzise schnurrt der Formula 125 durch die Kurven der Rennstrecke. Was sicher nicht zuletzt an der Vorderradführung, einer Achsschenkellenkung liegt. Durch deren spezielle Geometrie wird das bei der Telegabel störende Eintauchen beim Bremsen verhindert. Zum überzeugenden Fahrverhalten tragen aber auch die gut abgestimmten Federelemente ihren Teil bei, wenngleich die Dämpfung hinten einen etwas zu weichen Eindruck hinterließ. Für unterschiedliche Beladungen ist die Federbasis jedoch stufenlos verstellbar. Vorn werden Unebenheiten komfortabel abgefedert. Die Drehstabfeder läßt sich ebenfalls verstellen. Dazu muß jedoch ein Teil der Verkleidung abgenommen werden. Wer richtig fix unterwegs ist, der muß rechtsrum mit dem Aufsetzen des Auspuffs rechnen. Bei Wellen in Kurven richtet sich der Italo-Scooter zudem schnell auf. Den Zug an den Handhebeln geben Stahlflexleitungen mit knackigem Druckpunkt an die beiden 175 Millimeter großen hydraulischen Scheibenbremsen weiter. Harte Bremsmanöver sind damit kein Problem: Vorn wie hinten ist die Verzögerung einwandfrei und gut dosierbar. Am linken Hebel muß allerdings ordentlich zugelangt werden.Trotz aller Sportlichkeit besitzt auch der Italjet 125 die übliche Rollerausstattung. Ins Helmfach paßt ein Integralhelm, ins abschließbare Staufach Handschuhe oder die Landkarte. Die Geldtasche sollte der Rollerfahrer lieber bei sich tragen, da die Klappe einen leicht zu knackenden Eindruck macht. Ansonsten ist die Verarbeitung aber ordentlich. 3500 Formula 125 sollen dieses Jahr nach Deutschland kommen. Die ersten werden Ende März für 6590 Mark beim Händler stehen. Ein Tuningkit, der den letzten Rest Leistung aus dem Reihen-Twin holt, läßt dann bestimmt nicht mehr lange auf sich warten.

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