Fahrbericht KTM 450 EXC-R (Archivversion) R-frischend

Peter Gorbach, der Leiter der Viertakt-Motorenentwicklung bei KTM, redet nicht lange drum herum: „Wir haben uns den bis-herigen Motor angeschaut, überlegt, was wir alles ändern wollen – und dann letztlich einen komplett neuen Enduro-Motor entwickelt.“ Viertakt-Enduros waren und sind das Kerngeschäft der Österreicher. Über 20000 Einheiten dieser Gattung verlassen jährlich das Mattighofener Werk. Bei der 2008er-Modell-Generation blieb nicht einmal mehr die Bezeichnung dieselbe. Der bisherige Zusatz „Racing“ wurde auf ein schlichtes, aber dominantes „R“ reduziert. Vor allem der kompakte Zylinderkopf mit einer Nockenwelle und servicefreundlichem Zylinderdeckel mit schräger Dichtfläche unterscheidet die Neuent­wicklung von den bereits seit zwei Jahren im Motocross eingesetzten Doppelnocken-Triebwerken von KTM. Die geringer ausgeprägte Drehfreude des ohc-Konzepts spielt im Endurosport keine entscheidende Rolle, die einfachere Technik und die geringeren Einbaumaße dagegen sehr wohl.
Endurotypische Fahrbarkeit, sprich eine sanfte, leicht zu beherrschende Motorcharakteristik sollen denn auch die weiteren Änderungen bewirken: ein Sechsgangetriebe mit kurz über­setztem ersten und zweiten Gang, geänderte Steuerzeiten, vier Millimeter größere Einlassventile aus Titan, eine ge­ringere Verdichtung sowie eine Kurbelwelle mit größerer Schwungmasse. Zudem besitzt das neue Triebwerk eine vibrationsdämpfende Ausgleichswelle.
Schon die ersten Meter bringen eine deutliche Überraschung. Die für KTM-Enduros bislang typische Nervosität und Kippeligkeit ist reduziert, das Vorderrad vermittelt ein wesentlich sichereres Fahrgefühl. Eine Charakteränderung, welche die KTM-Ingenieure bereits den aktuellen Motocross-Modellen anerzogen haben. Und zwar mittels eines komplexen Zusammenspiels aus vielen unterschiedlichen Dingen. Beispielsweise der nun steiler stehende Zylinder, der hinter dem Lenkkopf um einen Zentimeter verkürzte Rahmen und die weniger steife Schwinge sollen die Gründe dafür sein. Zwei PS höhere Spitzenleistung und eine verbesserte Ver­arbeitungsqualität verspricht KTM als Leckerli obendrauf. Tat­sächlich schiebt der Einzylinder ganz im Sinne einer Enduro bullig wie ein Trecker und unaufgeregt voran, überzeugt mit seinem exzellent zu schaltenden Sechsganggetriebe.
Selbstverständlich arbeitet KTM parallel an einer Version mit Benzineinspritzung, um in Zukunft die strengeren Geräusch- und Abgasvorschriften zu bestehen, aber vorerst bleibt es bei einem Flachschieber-Vergaser mit 39 Millimeter Durchmesser. Neben der populären 450er-Version ist die neue Enduro auch als 530 EXC-R mit 510 Kubikzentimeter Hubraum für die hubraumoffene Klasse erhältlich.maja

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