Fahrbericht KTM 450 SX-F 2007 (Archivversion) Modern Talking

Brandneuer Motor und ein stark überarbeitetes Fahrwerk (siehe Kasten rechte Seite) lassen keine Zweifel offen: KTM meint’s mit der 450 SX-F, Modelljahr 2007 ernst. Verständlich, schließlich fehlt nach der beinahe erdrückenden Dominanz im Endurosport und dem überzeugenden Debüt des 250er-Viertakt-Crossers nun noch ein Erfolgsgarant in der MX1-Klasse (bis 450 cm3). Wie engagiert die Österreicher dieses Ziel verfolgen, beweist das frühe Präsentationsdatum. Der Termin Anfang Juli, gut zwei Monate vor der Konkurrenz, demonstriert Selbstbewusstsein.
Das bereits der erste Kontakt unterstreicht. Gestartet wird ausschließlich per E-Starter. Auf einen Kickstarter verzichtet KTM. Um Ängste vorab zu beseitigen: »Selbst der heiß gefahrene Motor sprang sofort wieder an«, berichtet der sechsfache Deutsche Motocross-Meister Dietmar Lacher, der für MOTORRAD die ersten Runden auf der neuen KTM drehte. Und: Auch den Test, den Motor bei gedrücktem Killschalter zwei Minuten zu orgeln, bestand die Batterie locker.
Die entscheidende Änderung an der Konzeption der 450 SX-F offenbart sich jedoch nicht auf den ersten Blick. Vermittelten KTM-Crosser seit jeher ein extrem handliches, fast nervöses Fahrgefühl mit tendenziell leichter Front, nähert sich die neue 450er nun dem Charakter der japanischen Crosser an. Will heißen: Eine traktionsstarke Front schafft auch bei weniger aggressivem Fahrstil Vertrauen. Unterstützt wird die Beruhigungskur durch eine noch mal erschlankte Tank-Sitzbank-Kombination und die neue Gabel mit »Closed-Cartridge«-Dämpfungssystem, die – zumindest in den Präsentationsmodellen – im Ansprechverhalten und den Dämpfungsreserven deutlich über den bisherigen Modellen von WP Suspension liegt. Auch im Heck ist das bekannte Kicken des Stoßdämpfers beim Anbremsen spürbar reduziert, wobei kantige Bodenwellen immer noch Unruhe ins Fahrwerk bringen.
Zum gelungenen, völlig neuen Fahrgefühl trägt ebenso der neue kurzhubige Motor bei. Mit zwei Ausgleichswellen ausgestattet, läuft das Aggregat nicht nur nahezu vibrationsfrei, sondern schiebt bereits bei niedrigen Drehzahlen gut kontrollierbar an. Das gutmütige Aggregat kann aber auch anders. Eine weitere, per Stecker an der CDI-Einheit wählbare Zündkurve lässt den mit dem kürzesten Hub aller aktuellen 450er-Crosser konzipierten Treibsatz spürbar aggressiver anpacken und noch höher drehen. Für Strecken mit guter Traktion oder Top-Fahrer durchaus eine Alternative.
So viel lässt sich schon jetzt prophezeien: Die 450 SX-F hat das Potenzial, in die Phalanx der in dieser Klasse
dominierenden Japaner einzubrechen. dl/pm

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