Fahrbericht KTM EXC 450 Racing (Archivversion) Das große Mehr

Mehr Orange, mehr Qualität und vor allem mehr Hubraum mit der EXC 450 Racing rüstet KTM für die neue Klasse im Endurosport. MOTORRAD fuhr das 2003er-Modell.

Die Erfolgsstory ist kurz, aber umso intensiver. Im Frühjahr 2000 präsentiert KTM der Offroad-Welt die von Grund auf neu konzipierten Modelle EXC 400 und EXC 520 Racing. Leicht, schmal, unkompliziert, viertaktend. Das Stollen-Milieu steht Kopf. Die übervorsichtig kalkulierte Jahresproduktion von anfänglich 4200 Maschinen konnte den Bedarf bei weitem nicht decken. Zudem gewinnen die neuen Flitzer auf Anhieb jeden Vergleichstest und jede Menge Meisterschaften weltweit. Und bis heute überschwemmt die Flutwelle aus Mattighofen die Enduroszene in bislang ungekannter Dominanz. Wer es in Schlamm und Staub zu was bringen will, fährt Orange. In der Saison 2003 soll´s im Unterholz noch greller werden. Denn mit dem Tank, den Seitenverkleidungen am Heck und dem hinteren Kotflügel adaptieren selbst die bislang von der Corporate idendity verschonten Kunststoffteile die Hausfarbe. Wenn schon, denn schon, wird auch das im aktuellen Modelljahr sehr dezente KTM-Emblem auf den Kühlerverkleidungen künftig einem selbstbewusst über den Tank prangenden Riesen-Logo weichen.Optische Retuschen kann die 2003er-Linie – mit Verlaub – auch gut gebrauchen. Denn technisch hat sich an den Erfolgs-Offroadern wenig verändert - auf den ersten Blick. Die 250er erhielt einen größeren Vergaser, die 400er wird aus dem Programm gestrichen und die bisherige Bezeichnung EXC 520– trotz gleichgebliebenem Hubraum von 510 cm³ - durch EXC 525 ersetzt. Nur Wissenden wird die dickere Gabel auffallen. Denn Softies sind künftig definitiv out. Die Elastizität, die der Frontpartie in Feld, Wald und Flur immer gern zugestanden wurde, bringt´s nicht mehr. Straffe Führung ist in. Deshalb klemmen statt 43 MIllimeter starken Gleitrohren demnächst fette 48er-Versionen das Vorderrad zwischen ihre Gabelbeine, unterstützt von einer drastisch verstärkten Achse und Nabe (siehe Kasten). Überhaupt Thema Gabel. Theoretisch weiß man bei Zulieferer White Power längst, was Sache ist. Nur in der Praxis haperte es bei den Holländern mit ausgeprägter Serienstreuung und nicht optimaler Materialauswahl am letzten Schliff. Das soll nun vorbei sein. Eine härtere Chromschicht auf den Gleitrohren, drei statt bislang zwei Führungsbuchsen und vor allem qualitativ höhere Dichtringe aus japanischer statt bisher deutscher Produktion sollen das haklige Ansprechverhalten endlich in den Griff kriegen.Die Änderungen am Motor fallen ebenfalls lediglich versierten Fans auf. Die nun im Druck- statt Sandgussverfahren produzierten Motorgehäuse sind nicht nur glattflächiger, sondern zudem um ein Pfund leichter geworden. Doch die allerwichtigste Neuheit erkennen selbst die Freaks erst am Aufkleber auf dem Luftfilterkasten – auch die KTM gibt’s künftig mit 450 cm³ Hubraum. Erstens, weil´s das Endurosport-Reglement ab 2003 erlaubt und zweitens weil´s gut ist. Denn 450 cm³ werden im Offroad-Sport - als idealer Kompromiss zwischen Leistung und Fahrbarkeit - auf absehbare Zeit zum Maß der Dinge werden. Außerdem war´s schnell erledigt. Gleiche Bohrung wie die 400er, dafür 72 statt 64 mm Hub – fertig war die EXC 450. Und die tuckert – dem Knöpfchen auf der rechten Lenkerseite sei ewiger Dank – auf Anhieb brav vor sich hin. Doch bereits die ersten Meter offenbaren die Differenz. Der 450er-Motor besitzt spürbar mehr Druck aus dem Drehzahlkeller als sein kleiner Bruder. Gerade knifflige Passagen, bei denen ein kräftiger Gasstoß schon mal über eine Steilstufe hilft, lassen sich leichter beherrschen. Deutlich vehementer gerät auch der Antritt aus langsamen Kehren. Gas auf und zack, zack, zack kann durchgeschaltet werden, ohne – wie zum Beispiel bei der 520er – auf der Suche nach Traktion zu verzweifeln. So muss es sein und so wird es bleiben. Was hoffentlich ebenso für die Gabel gilt. Denn die Arbeit trug Früchte. Sauberes Ansprechen und gute Durchschlagsicherheit überzeugen sofort – und später hoffentlich auch bei den Serienteilen. Was vom ersten Eindruck der unauffälligen Modifikationen bleibt: kleine Ursachen, große Wirkung. Die 450er wird für KTM zum Bike der Zukunft. Ganz nah dran an der sprichwörtlichen eierlegenden Wollmilchsau. Nicht zu wenig Power für die Profis, nicht zu viel Schmackes für Amateure. Und der Rest passt sowieso. Schon bei den 2000er-Modellen - und jetzt erst recht.

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