Fahrbericht LSL-Triumph Bonneville Clubman (Archivversion)

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Die kürzlich erst vorgestellte Triumph Bonnville reifte bereits jetzt zum stilvollen Café-Racer. Zubehörspezialist LSL machte die elegante britische Lady fit für den Club der sportiven Individualisten

Mit ihren organischen Formen ist die neue Triumph Bonneville in der Tat ein echter Blickfang. Doch den Machern von LSL fehlte an der Neuauflage des Sportlers der 60er die richtige Würze. Beim Umbau der Bonnville zur Clubman, benannt nach den früheren Serienmaschinenrennen auf der Insel konzentrierten sich die Krefelder deshalb auf drei Komponenten: Räder, Federelemente und Sitzhaltung. Quasi nebenbei sollte auch die Optik einen individuellen Touch bekommen. Der Parallel-Twin blieb unangetastet. Durch Umspeichen der Räder von 19 Zoll vorne und 18 Zoll hinten auf eine 18-/17 Zoll-Paarung steht jetzt eine breiteres Angebot an modernen Radialreifen zur Wahl. LSL entschied sich für den Bridgestone BT 020 in den Dimensionen 110/80 ZR 18 und 150/70 ZR 17 (Serienbereifung: 100/90 R 19 und 130/80 R 18). Da sich die Abrollumfänge der Vorderreifen nur um etwa vier Prozent unterscheiden, verzichtete man auf die Anpassung des Tachos, die Anzeige eilt jetzt etwas stärker vor. Der sportlicheren Ausrichtung trug man mit dem Umbau der Gabel (neue Federn, zäheres Öl und geändertes Luftpolster) sowie neuen Federbeinen Rechnung. Dabei halfen auch der flachere Roadster-Lenker und die um zwölf Zentimeter zurück versetzten sowie drei Zentimeter höher montierten Rasten. Damit neigt sich der Oberkörper jetzt leicht dem Fahrtwind entgegen, während die Oberschenkel elegant die Wespentaille der Bonnie umschlingen. Der Beinwinkel ist übrigens auch für größere Fahrer angenehm. Sozusagen das Pünktchen auf dem »I« setzt die dezente Lackierung in Arles-Windjammer-Blue, einem alten Landrover-Farbton. Liebevolle Details wie das jetzt schmalere hintere Schutzblech oder das Rücklicht im Stil der 60er unterstreichen den britischen Caé-Racer-Stil. Sportlichkeit à la Bonneville Clubman hat naturgemäß nichts mit Hanging off und Jagd nach Sekunden zu tun. Vielmehr will diese Bonnie ein Motorrad für Individualisten sein, die jenseits allen Leistungsdrucks und fern aller Hektik genießen wollen. Da stört es auch nicht, dass die edel gefertigten, klappbaren Leichtmetallrasten in flott gefahrenen Serpentinen schon mal den Asphalt touchieren oder dass das Fahrwerk ab Tacho 130 eine leichte Eigendynamik entwickelt. Schließlich erwartet wohl niemand ernsthaft Racer-Qualitäten. Dennoch freut man sich über das neutrale Einlenkverhalten, die neue Räder-Reifen-Paarung harmoniert sehr gut mit der Triumph. Derart besohlt sind der Bonnie nach wie vor hektische Reaktionen auf Längsrillen oder die Tendenz zum Aufstellen beim Bremsen in Schräglage völlig fremd. In Anbetracht der möglichen Fahrleistungen sind die beiden High-Tech-Federbeine sicher oversized, doch Perfektionisten und Freunde edlen Finishs werden sich über die in Zug- und Druckstufe (letztere in High und Lowspeed separat justierbar) einstellbaren Wilbers-Federbeine freuen. Durch die knappen Federwege (vorne 120 mm, hinten 105 mm) liegt die Abstimmung naturgemäß auf der straffen Seite. Die Zugstufe passt jedoch nicht zu den montierten Federn, so dass die Zugstufendämpfung fast völlig geöffnet werden muss, um auf Holperstrecken ein korrektes Ausfederns zu ermöglichen und so ein immer stärker einfederndes Hecks zu verhindern. Erst dann lag die Bonnie ruhig auf der Test-Holperstrecke. Eine insgesamt etwas softere Abstimmung wäre hier sicher besser, um eine Anpassung nach beiden Seiten - je nach Vorliebe straffer oder weicher - zu ermöglichen. Die neue Abstimmung der nicht justierbaren Gabel gelang insgesamt recht gut. Mit den winzigen Spiegeln schoss LSL dagegen etwas über das Ziel hinaus: Außer dem eigenen Oberkörper sieht man praktisch nichts, da die Ausleger zu kurz sind. Mit der Bonneville Clubmann hat LSL ein leckeres Menü für die Fans des klassischen Zweizylinders zusammengestellt, das die traditionelle Optik mit einer respektablen Portion Sportlichkeit kombiniert – well done.
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LSL-Triumph Bonneville Clubman (FB) (Archivversion)

Motor: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor, zwei Ausgleichswellen, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Keihin-Gleichdruckvergaser, ( 36 mm, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, E-Starter, Bohrung x Hub 86 x 68 mmHubraum 790 cm³Nennleistung44 kW (60 PS) bei 7300/minMax. Drehjmoment62 Nm (6,3 kpm) bei 3500/minKraftübertragung: Primärantrieb über Zahnräder, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, X-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 43 : 17Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Standrohrdurchmesser 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlrohren, zwei Federbeine, einstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Doppelkolbensattel, ( 310 mm, Scheibenbremse hinten, Doppelkolbensattel, ( 255 mm.Speichenräder 2,50 x 18; 4,25 x 17Reifen 110/80 ZR 18; 150/70 ZR 17Fahrwerksdaten: Radstand 1493 mm, Lenkkopfwinkel 69 Grad, Nachlauf 117 mm, Federwege v/h 120/105 mmMaße und GewichteL/B/H 2250/690/1150 mm, Sitzhöhe 775 mmGewicht vollgetankt 224 kg, Zuladung 206 kg, Tankinhalt/Reserve 16/3 LiterEinzelpreise Umbaukosten: Umbau Räder inkl. Reifen: 1848 MarkFußrastenanlage: 579 MarkFederbeine: 1699 MarkGesamtpreis inkl. Nebenkosten: 20980 Mark

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