Fahrbericht Mende-Honda Africa Twin (Archivversion) VerjüngungsKur

Es gibt Motorräder, zu denen ihre Besitzer eine besonders stark ausgeprägte Bindung entwickeln. Zu dieser Spezies gehört zweifellos die Honda Africa Twin. Weshalb deren Fahrer äußerst ungehalten reagierten, als Honda in diesem Jahr die beliebte Reiseenduro aus dem Programm nahm, gibt es doch für Africa-Twin-Fans keine akzeptablen Alternativen. Die Transalp ist ihnen zu schwach und die Varadero zu ausladend und schwerfällig geraten. Dabei war in den Köpfen stets sonnenklar, wie eine würdige Nachfolgerin daherkommen sollte: Mehr Hubraum und damit mehr Drehmoment und Leistung, weniger Gewicht sowie ein strafferes Fahrwerk standen ganz oben auf der Wunschliste.
Diesen Wünschen trägt Tuner Christian Mende aus dem niedersächsischen Salzhemmendorf Rechnung. Mit 2,5 Millimeter mehr Bohrung stockt er den Hubraum auf 789 cm³ auf. Gleichzeitig verdichten neue Kolben das Gemisch in den modifizierten Brennräumen mit 11,3:1 deutlich höher als die Serienpendants. Neben der geänderten Airbox und Vergaserabstimmung sorgt eine neue Auspuffanlage für besseren Gasdurchsatz. Die Abgase entweichen nun durch Eigenbau-Krümmer von Mende und einen Bos-Schalldämpfer mit ABE.
Beim Fahrwerk ersetzte Mende die Original-Gabelfedern durch straffere von Wilbers. Am Heck arbeitet ein Federbein des gleichen Herstellers. Für besseres Handling und eine attraktivere Optik sind in die Naben 17-Zoll-Excel-Felgen in Supermoto-Dimensionen eingespeicht und mit 120/70 und 160/60 breiten Super-Corsa-Straßenreifen von Pirelli besohlt. In Sachen Ergonomie soll ein breiterer Alulenker die Handlichkeit fördern, eine durch die geänderten Federelemente angehobene Sitzhöhe die Schräglagenfreiheit erhöhen.
Ob die Verjüngungsmaßnahmen gelungen sind, musste der Umbau zunächst auf dem Prüfstand beweisen. Und tatsächlich hat der aufgepäppelte Twin mit gut 70 PS an der Kupplung nicht nur zehn PS mehr Maximalleistung, sondern im mittleren Drehzahlbereich ein ebensolches Leistungsplus. Das macht sich beim Fahren entsprechend bemerkbar. Die Mende-Hon-
da zieht spürbar kräftiger durch, und ab
6500/min, wo die Serien-Africa Twin müde wird, dreht der Mende-Ableger kräftig bis zum roten Bereich weiter. Zudem zeigt sich das Fahrwerk wie verwandelt. Die straffere Abstimmung funktioniert sogar auf welligen, schlechten Straßen ohne übertriebene Komforteinbußen. Die starken Eigenbewegungen des Originals gehören der Vergangenheit an. Deutlich präziser umrundet die Mende-Africa Twin Kurven jeglicher Art, dank des kleineren Vorderrads sowie 13 Kilogramm weniger Gewicht auch spürbar handlicher. Die eher behäbige Reiseenduro ist im Kurvenlabyrinth kaum wieder zu erkennen und lässt eine viel flottere Gangart zu.
Die Auffrischung von Tuner Mende ist also gelungen und wird eingefleischte Africa-Twin-Fahrer sicher begeistern. Allerdings gilt es für den erhöhten Spaßfaktor tiefer in die Tasche zu greifen. Ab 5000 Euro ist man dabei, inklusive Gutachten für Fahrwerksumbau und Auspuffanlage. Ein Gutachten für den Motorkit ist in Vorbereitung. ws

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