Fahrbericht Montesa Cota 4RT (Archivversion) Spritz-Tour

Auch im Trialsport hält der Viertakter wegen der verschärften Abgasgrenzwerte Einzug. Honda ist hier mit der Mon-
tesa Cota 4RT Vorreiter, deren Triebwerk auf dem des Crossers CRF 250 R basiert. Für die deutlich zahmere Trialmaschine wurde allerdings ein einfacherer Zylinderkopf konstruiert. Die vier Ventile werden von einer Nockenwelle gesteuert, deren zwei Nocken die Ventile über Gabelkipphebel betätigen. Nichts Unkonventionelles. Ein technischer Leckerbissen ist hingegen die elektronische Einspritzanlage, die völlig ohne Batterie auskommt. Ein Tritt auf
den Kickstarter genügt, um in Millisekunden ausreichend Spannung aufzubauen, die Benzinpumpe zu aktivieren und die Einspritzung anzusteuern. Ein ähnliches Motormanagement hat Honda bereits beim Roller »Zoomer« angewendet.
Schon der erste Dreh am Gasgriff lässt den Honda-Motor gierig bellen. Der Einzylinder reagiert direkt und verzögerungsfrei, er steht der vergaserbestückten Zweitaktkonkurrenz nicht nach. Die ersten drei Gänge sind für den Sektionsbetrieb ausgelegt und erscheinen anfangs recht kurz. Dass dies nicht so ist, merkt man, wenn man die Leistungsentfaltung des Viertakters verinnerlicht hat. Ab Leerlaufdreh-
zahl schiebt die 4RT zunächst nicht ganz so druckvoll an wie die Vorgängerin 315R. Das Drehmoment bleibt im Gegensatz
zum Zweitakter beim Viertakter über einen Großteil des Drehzahlbands nahezu konstant. Ein und derselbe Gang kann von engsten Kehren bis zu langen Auffahrten und hohen Stufen eingelegt bleiben.
Das Gewicht des drei Kilogramm schwereren Viertaktaggregats konnte vom leichteren Fahrwerk nicht ganz kompensiert werden. Die Cota 4RT lässt sich zwar spielerischer bewegen als die 315R, was auf den kürzeren Radstand und die günstige Schwerpunktlage zurückzuführen ist. Gegenüber der aktuellen Zweitaktkonkurrenz sind wegen der größeren rotierenden Massen des Viertakters jedoch leichte Handling-Nachteile spürbar. Die positive Seite: Die Kreiselkräfte stabilisieren das Motorrad, was sich in einer sehr guten
Balance bemerkbar macht.
Die Einspritzung arbeitet unter allen Bedingungen so perfekt, dass man sie zunächst gar nicht bemerkt. Das beginnt schon beim Start, für den weder ein
Benzinhahn geöffnet, noch ein Choke gezogen werden muss. Danach kann sich
der Fahrer gänzlich auf die von ihm an-
visierten Hindernisse konzentrieren, zu fett
oder zu mager gibt es nicht mehr. Auch
kein Freidrehen vor Stufen, wie es bisher
üblich war. Blaue Dunstfahnen sowie auslaufenden Sprit aus der Schwimmerkammer kennt die Cota 4RT ebenfalls nicht. Zeitgemäß ist zudem der geringe Verbrauch, die 2,1 Liter Tankinhalt reichen für ein lockeres Tagestraining. Egal, welche
Situation man auch provoziert, um der Ein-
spritzung einen Kritikpunkt abzuverlangen, sie meistert alles mit Bravour. Ergo entfällt das Düsenwechseln, selbst die Reinigung des Vergasers bleibt einem Montesa Cota 4RT-Pilot erspart.
Die Viertakt-Cota setzt also nicht
nur soundmäßig neue Akzente, sondern überzeugt mit problemlosem Umgang und
perfekter Verarbeitung. Zudem beweist Honda mit dem tadellos abgestimmten Einzylinder, dass Einspritzanlagen wohl bald selbst bei Crossern denkbar sind.
Hans Greiner

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