Fahrbericht Moto Guzzi Nevada 750 i.e. (Archivversion) FLACHSCHMUNZLER

Von 1273 in Deutschland neu zugelassenen Moto Guzzis vergangenes Jahr trugen exakt 46 Stück die Typen-
bezeichnung Nevada. Von einem überragenden Verkaufserfolg zu sprechen wäre also leicht übertrieben. Die Nevada-Wurzeln
reichen bis zur berüchtigten V 35/50 C des Jahres 1982 zurück. Aus C wurde 1986 Florida; Florida hieß ab 1991 Nevada. Was blieb, war das schwülstige Design der frühen 80er Jahre. Zusammen mit einem phlegmatischen Vergasermotor in einem mäßigen Fahrwerk machte das die Sache nicht unbedingt leichter.
Also gingen Guzzi-Techniker die längst fällige Nevada-Überarbeitung radikal an und versenkten erst einmal 383 von 441
Bauteilen im Comer See. 87 Prozent aller Komponenten sind neu oder zumindest kräftig überarbeitet. Oder gut beschafft: Die 750er-Breva diente als Organspender und lieferte den mit einer Einspritzanlage samt geregeltem Dreiwege-Katalysator bestückten Motor. Fünfganggetriebe und Schwinge stammen ebenfalls aus der Breva, und es ist nicht schwer zu erraten, auf welchem Modell der neue Nevada-Rahmen basiert und welche Guzzi die Instrumente beisteuerte. Genau. Heckpartie, Sitzbank, Tank und auch die Räder sind allerdings keine Breva-Spenden, sondern einzig und allein der neuen Nevada vorbehalten.
Heraus kam ein Motorrad, das deutlich gefälliger aussieht als das Vorgängermodell und sich noch einfacher bedienen lässt. Kalt- und Warmstart klappen völlig problemlos. Lenker, Fußrasten sowie Sitzbank passen kurzen Italienern und dicken Norddeutschen gleichermaßen gut. Die aufrechte Sitzposition ist gottlob nicht so hecklastig wie bei den meisten anderen Choppern oder
Cruisern. Der Kupplungshebel steht nicht mehr so weit ab, die Bedienung klappt nun tadellos und ohne übermäßigen Kraftaufwand. Gleiches gilt fürs Getriebe: nicht ganz Japan-Standard, aber deutlich besser als bei der alten Nevada.
Von gängiger Einstiegscruiser-Massenware unterscheidet sich die neue Nevada durch ihre überraschende Agilität. Sie ist viel leichter und spürbar handlicher als Intruder, Shadow, Drag Star, Sportster, VN und Co. Aber vielleicht ist die Nevada auch gar kein richtiger Cruiser, denn der drehfreudige, gut am Gas hängende Zweizylinder sowie die erstaunlich große Schräglagenfreiheit passen eher zu einem ganz gewöhnlichen Naked Bike. Die Einsteiger-Guzzi ist ein klarer Fall für Einzeltäter, zu zweit wird’s mächtig eng. Keine Offenbarung sind die Federelemente. Doch unterm Strich überzeugt die Überarbeitung, so dass ab sofort sicher mehr als
46 Nevadas jedes Jahr nach Deutschland kommen werden. kh

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