Fahrbericht Moto Guzzi Stelvio 1200 4V (Archivversion)

Alpen-Swinger

Mächtig, schicksalsträchtig: Die Moto Guzzi Stelvio präsentiert sich eindrucksvoll wie das Stilfser Joch, nach dem sie benannt wurde.

Möglich, dass die neue, mächtige Groß-Enduro Stelvio das Schicksal von Moto Guzzi mitbestimmt. Von ihr erhofft sich der italienische Hersteller nämlich, dass sie ein Stück vom GS-Kuchen erobert und so die Guzzi-Produktion von derzeit knapp 10000 Motorrädern jährlich in die Höhe treibt. Als echte Konkurrenz für die BMW will man die Stelvio aber lieber nicht verstanden wissen, sondern als »exklusive Alternative«.

MOTORRAD durfte im Januar schon mal einen Prototyp ausprobieren (3/2008). Verbessert wurde seither die Charakteristik des 1200er-Zweizylinder-Motors. Dank eines neuen Mappings und kleiner Änderungen an der Zwei-in-eins-Auspuffanlage stopften die Ingenieure das damals festgestellte Leistungsloch zwischen 3500 und 5500 Touren. Fast zumindest, denn eine leicht gebremste Leistungsabgabe begleitet den Vierventiler in diesem Bereich weiterhin, doch auf kurvigen Landstraßen und auf einfachen Schotterwegen, beides Domänen der Stelvio, fällt das nur selten auf.

Seine volle Kraft von 105 PS entfaltet der Motor bei 7000/min; dann beschleunigt er knackig und mit Verve aus den Kurven. Das überzeugende Fahrwerk mit der Marzocchi-Gabel und dem Boge-Federbein bügelt Un-ebenheiten im Asphalt nieder, hat auf Schotter die Ruhe weg und hält das Dickschiff selbst in den engsten Spitzkehren auf dem vorgegebenen Kurs. Draufsetzen, losfahren, sich wohlfühlen – obwohl die Fuhre voll-getankt stramme fünf Zentner wiegt, kommen Unsicherheiten erst gar nicht auf. Zwar liegt der Schwerpunkt höher als beim Vorbild GS, doch die durchdachte, leicht nach vorn geneigte Sitzposition sorgt für Überblick und Kontrolle.

Die Verarbeitungsqualität macht einen guten Eindruck, ebenso gefallen die verstellbare Sitzhöhe und die regulierbare Scheibe, die Fahrer jeder Größe schützt. Ein dicker Pluspunkt ist der sonore Sound, der selbst während der Fahrt ans Ohr dringt und dem komfortablen Alpen-Swinger hohe Sympathiewerte beschert.

An Zubehör will Guzzi für die Stelvio vom Tankrucksack über Koffer bis hin zur passenden Textilkombi alles liefern. Ein ABS fehlt zurzeit noch, es soll im Sommer fertig sein. Bleibt der Preis, der mit 12750 Euro so exklusiv ausfiel, wie Guzzi sich das Stelvio-Image wünscht.
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Daten Moto Guzzi Stelvio 1200 4V (Archivversion)

Motor
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, Kurbelwelle längs liegend, je eine oben liegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Kipphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, ø 50 mm, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub 95,0 x 81,2 mm
Hubraum 1151 cm³
Verdichtungsverhältnis 11:1
Nennleistung 77 kW (105 PS) bei 7000/min
Max. Drehmoment 108 Nm bei 6500/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, ø 50 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, ø 282 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel.
Alu-Speichenräder 2.50 x 19; 5.50 x 17
Reifen 110/80 ZR 19; 180/55 ZR 17

Maße+Gewichte
Radstand 1535 mm, Lenkkopfwinkel 63,0 Grad, Nach-lauf 125 mm, Federweg v/h 170/155 mm, Sitzhöhe 820–840 mm, Gewicht vollgetankt 265 kg, Tankinhalt/Reserve 18,0/4,5 Liter.
Garantie zwei Jahre
Farben Rot, Weiß, Schwarz
Preis inkl. Nebenkosten 12750 Euro

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