Fahrbericht Moto Morini 1200 Granpasso (Archivversion) Auf die Passo, fertig, los

Neben Benelli TreK Amazonas und Moto Guzzi Stelvio sägt mit der Moto Morini Granpasso eine weitere Italienerin am Thron der Königin unter den Reise-Enduros, der BMW GS.

Schönheit ist bekanntlich Geschmackssache, wobei weitgehend Einigkeit herrscht, dass die aktuellen Reise-Enduros einen eher herben Charme versprühen. Insofern ist die neue Moto Morini Granpasso, deren Produktion in diesen Tagen anläuft, voll bei der Musik. Wie es um die weitere Performance steht, konnte MOTORRAD an einem Vorserien-Exemplar überprüfen.

Um die Leistungs- und Drehmomentkurven gegenüber der Straßenversion Corsaro 1200 linearer und fülliger zu gestalten, wurde der markante 87-Grad-V2 (wie bereits für die Modelle Avio und 9½) in einigen Punkten modifiziert. Im Wesentlichen sind dies neue Nockenwellen mit weniger Hub sowie kleinere Ventile. Zusammen mit einem angepassten Mapping liegen die Maximalwerte mit 118 PS und 104 Nm rund 15 Prozent unter denen der Corsaro. Der Verbrauch soll um rund 20 Prozent geringer ausfallen, was mit dem 27-Liter-Tank rund 400 Kilometer Reich-weite brächte. Wirklich sparsam ist die Granpasso damit aber immer noch nicht.

Soviel zur Theorie. In der Praxis erfreut die Italienerin mit hochwertigen Anbauteilen wie einstellbaren Handhebeln an den beiden Radialpumpen samt Stahlflexleitungen. Der Windschild ist vierfach verstellbar, die Supermoto-bewährten Excel-Felgen werden serienmäßig mit Metzeler-Tourance-Reifen bestückt. Die Auspuffanlage besteht komplett aus Edelstahl, und das Öhlins-Federbein ist im Gegensatz zur Upside-down-Gabel von Marzocchi voll einstellbar. So muss man vorne mit der sehr straffen Abstimmung leben.

Von der hohen Sitzposition abgesehen, gibt die Ergonomie keinen Grund zur Klage, zumal der Morini-Zubehörkatalog eine drei Zentimeter niedrigere Sitzbank bereithält. Der breite, konifizierte Lenker liegt gut zur Hand und verhilft zu einer aufrechten und dennoch aktiven Körperhaltung. Die Auslegung der Bremse geriet zahm, was bei Ausflügen ins Gelände jedoch ein besseres Gefühl vermittelt. Dank der recht schmalen Bereifung wirft sich die Morini leichtfüßig von einer Schräglage in die andere.

Sanft und dennoch kräftig hängt der V2 am Gas. Volllast in den ersten beiden Gängen schickt das Vorderrad gen Himmel. Ab 2500/min gibt es hackfreien Vortrieb, ab 3000/min sollen stets über 90 Nm Drehmoment anliegen. So kann man trefflich, auch wenn sich das Getriebe leicht und präzise schalten lässt, im großen Gang powercruisen. Es ist also gut vorstellbar, dass die Bayern den einen oder anderen Kunden an Italien verlieren. Ab Mitte Juli steht die Granpasso bei den Händlern.

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