Fahrbericht MV Agusta Brutale 910 R (Archivversion) Donner-Beller

Hunde, die bellen, beißen nicht. Briefträger wissen, dass man sich auf diese Weisheit keineswegs verlassen sollte. Die bedrohlich bellende MV Agusta Brutale 910 R kann ebenfalls gefährlich zubeißen, gottlob lässt sie sich mit der rechten Hand einigermaßen im Griff halten. Optisch setzt die Bella Donna weiterhin Maßstäbe, auch nach sechs Jahren Bauzeit verblasst in ihrem Schatten jedes andere aktuelle Naked Bike. Eine Eleganz, deren Faszination wohl nach lange Bestand haben wird.
Dagegen brauchte die Technik der 910 R eine Aktualisierung, schon wegen der Euro-3-Abgasnorm. Das bedeutet endlich einen geregelten Kat, gleichzeitig bekam sie nun den Zylinderkopf der F4 1000 R
mit den engeren Ventilwinkeln, natürlich mit kleineren Ventilen und zahmeren Steuerzeiten als beim Supersportler.
Die Testmaschine war mit der Titan-Auspuffanlage aus japanischer Fertigung ausgerüstet, die es samt angepasstem Bordrechner für 2200 Euro im Zubehör-
programm gibt. Eine optische Delikatesse
mit allerfeinsten Schweißraupen, die man in
die Vitrine im Wohnzimmer legen könnte. Nur müsste man dann auf diesen Sound verzichten, der einem nach dem Starten die Nackenhaare aufstellt. Bereits im Stand
röchelt die Brutale heiser vor sich hin, bellt bei jedem Gasstoß. Der Schiebebetrieb wird von einem Brabbeln untermalt.
Geblieben sind leider die bekannten Kritikpunkte, nämlich die unwirsche Gasannahme im unteren Drehzahlbereich, die in Verbindung mit dem schwergängigen Gasgriff und hohen Kupplungskräften Stadtfahrten zur Konzentrationsübung machen. Außerdem ist das Fahrwerk alles andere als komfortabel, sondern funktioniert erst dann, wenn man rennmäßig unterwegs ist. Somit bleibt die Brutale das, was sie immer war: eine selektive Fahrmaschine für Kenner und Könner. gt

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