Fahrbericht: Pumilio M 3.5 Tiempo (Archivversion) Advent, Advent, der Asphalt brennt

Elend Käskarrt, unser britischer Mitarbeiter, testete exklusiv für MOTORRAD die Pumilio M 3.5 Tiempo.

Das Boxenrolltor rattert hoch, einen Augenblick später brüllt der aggressive Zweitakter in das Hockenheimer Motodrom und setzt der vorweihnachtlichen Stille ein jähes Ende. Die beißenden Abgase verbrannten Nitromethans treiben mir das Wasser in die Augen. Nervös zupfe ich mir die Protektorenkombi zurecht, noch ein paar kurze Gasstöße, dann hat der Motor seine Betriebstemperatur erreicht. Ein letzter skeptischer Blick auf den heruntergeschruppten Hinterradreifen, und schon spurte ich die Boxengasse hinunter - dem Motorrad hinterher.Trotz extrem niedrigen Gewichts und ultrakurzen Radstands spüre ich sofort, daß die Pumilio nicht gerade ein spielerisches Handling an den Tag legt. Bis der Stellmotor die Vorderradaufhängung um die Längsachse schwenkt und so die Richtungsänderung einleitet, ist es schon zu spät: Mit Karacho knallt der rote Renner in die Boxenmauer.Zum Glück nichts passiert, nur steht erneut die fummelige Startprozedur an, bei der entweder der Glühkerzenstecker abspringt, der Motor gleich wieder abstirbt oder meine Fingerspitzen am Zylinderkopf schmoren. Außerdem macht dem luftgekühlten Einzylinder die niedrige Außentemperatur zu schaffen: Unter Dreiviertelgas ist er nicht am Laufen zu halten. Dies wiederum macht das Anfahren extrem schwierig, denn auf den ersten Metern findet der schnell rotierende hintere Gummi keinen Grip, das wild schlingernde Heck ist kaum unter Kontrolle zu halten. Selbst mein Trick, mit Hilfe der Federbasisverstellung das Heck abzusenken, um mehr Gewicht auf die Hinterachse zu bekommen, nützt nicht viel.Immer wieder von spektakulären Überschlägen und unzähligen Tankstopps unterbrochen, gewöhne ich mich langsam an den bis zu 80 km/h schnellen Racer, den der Finne Reijo Mattila mit viel Liebe zum Detail auf die Räder gestellt hat. Es erfordert viel Übung und Fingerspitzengefühl, bis man mit dem Bike sauber aus den Ecken driften kann. Erst als ein wirklich hoher Reifenstapel eine wirklich weite Flugphase nach einem Absprung über die Curbs abrupt unterbricht, will Pumilio endgültig nicht mehr anspringen. Die vorweihnachtliche Stille kehrt ins Motodrom zurück.

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