Fahrbericht Supersport-Suzuki GSX-R 600 (Archivversion) Laux-Angriff

Unter den Fittichen von Suzuki-Händler Stefan Laux soll 125er Meister Christian Kellner mit der werksunterstützten GSX-R 600 die Supersport-Riege aufmischen.

Die Zeichen bei Suzuki stehen auf Sturm. Nach der Dominanz im 750er Supersport-Cup zielt der deutsche Importeur jetzt auf die hart umkämpfte 600er Klasse. Bereits im Dezember rückte der deutsche 125er Meister Christian Kellner mit seiner in der Suzuki-Rennabteilung in Japan aufgebauten GSX-R 600 zu ersten Testfahrten aus. Unter der technischen Betreuung von Suzuki-Händler Stefan Laux sollen die neuen Renner bis zum Saisonstart den etablierten Heizgeräten von Honda, Kawasaki, Yamaha und Ducati mindestens ebenbürtig sein. Die Voraussetzungen dafür sind nahezu perfekt. Schon allein der Gewichtsvorteil des Basismodells durch Aluminium-Chassis und pfiffig gelöste Details machten es möglich, das für 1997 auf 167 Kilogramm festgelegte Mindestgewicht mit relativ geringem Aufwand zu realisieren. Und so verwundert es nicht, daß die gewichtsoptimierte Laux-Suzuki auch ohne Titan- und Aluminium-Zauberei um vier Kilogramm untergewichtig ist und nach einem ordentlichen Paket Bleiplatten verlangt. Da war es keine Frage, daß sich der neugierige MOTORRAD-Redakteur nicht zweimal bitten ließ, das Fliegengewicht um die Rennpiste im spanischen Cartagena zu treiben. Die Lenkerstummel wie am bisherigen 125er Renner von Christian Kellner extrem tief montiert, braucht es ein paar Runden der Eingewöhnung, zumal die Gabel beim Anbremsen schnell und weit eintaucht. Einlenken auf der Bremse gehört somit nicht zur Paradedisziplin der Suzuki, die in solchen Situationen auch noch mit nervös stempelnder Heckpartie verunsichert. Ein feines Händchen für Kupplung und Zwischengas sind zwingend notwendig, um dem neuen Renner das ratternde Hinterrad abzugewöhnen. Deshalb steht eine ausgewogener Abstimmung von Gabel und Federbein ganz vorn im Lastenheft der Suzuki-Mannschaft.Dafür pfeift die kleine GSX-R 600 durch die verwinkelten Schikanen, daß sich unweigerlich der Vergleich mit einer 250er aufdrängt. So leicht, so direkt, so spaßig. Und der Spaß hat noch lange kein Ende. Denn das eng gestufte Renngetriebe läßt sich derart kurz und knackig schalten, daß es damit glänzend das relativ schmale Drehzahlband des rund 120 PS starken Motors kaschiert. Unter 10000/min sollte sich der eilige Reiter nicht aufhalten, denn erst darüber feuert der Vierzylinder richtig los und holpert bei 13800/min in den elektronischen Begrenzer. Mit den aus Japan angelieferten Kit-Motorteilen und einer sorgfältigen Überarbeitung von Zylinderkopf und Kanälen erhofft sich Stefan Laux noch eine Steigerung der Spitzenleistung auf rund 125 PS, womit die GSX-R 600 auf dem Niveau einer guten Kawasaki ZX-6R läge. Das kompakte Triebwerk mit dem dreigeteilten Motorgehäuse ist zwar mit Abstand die aufwendigste Konstruktion im 600er Segment, hat aber in bezug auf die Leistungsausbeute kaum Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Lediglich die großen Einlässe zum Luftfilterkasten könnten der GSX-R 600 im Geschwindigkeitsbereich über 200 km/h leichte Vorteile durch den erhöhten Staudruck bescheren. Doch eine optimale Abstimmung der Gleichdruck-Vergaser ohne elektronische Zusatzsteuerungen, welche den geschwindigkeitsabhängigen Staudruck im Ansaugsystem berücksichtigt, ist auch an der Suzuki kaum möglich. Der agile Charakter von Fahrwerk und Motor dürfte dem ehemaligen 125er Piloten Christian Kellner wie auf den Leib geschneidert sein. Läßt die serienmäßige GSX-R 600 mit der 5,5 Zoll breiten Felge und dem 180er Pneu etwas an Leichtfüßigkeit vermissen, stört sich die Rennversion keineswegs am breiten Pirelli-Hinterradschlappen, über den sie sich in abenteuerliche Schräglagen zwingen läßt und der sich beim Beschleunigen fest im Asphalt verkrallt. Stabilitätsprobleme sind dem breiten Aluminium-Chassis absolut fremd. Schließlich verrichtet exakt derselbe Rahmen auch im 750er Supersport seinen Dienst. Ob sich die kleine GSX-R 600 durchsetzen kann? Die Chancen stehen gut, und mit den ersten, auch international eingefahrenen Testergebnissen können die Suzuki-Techniker durchweg zufrieden sein. Für alle, die beim ersten großen Laux-Angriff dabei sein wollen: Am 20. April geht’s los, dann trifft sich die 600er Riege auf dem Flugplatzkurs in Zweibrücken zum Saisonstart.

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