Fahrbericht Suzuki GSF 1200 Bandit SX (Archivversion) Haltet den Dieb

Mit der Bandit 1200 SX bietet nun auch Suzuki ein Modell mit ABS an.

Suzuki setzt, zumindest auf dem deutschen Markt, klare Prioritäten. Modelle wie die GS 500 E und die Bandit-Baureihe einerseits sowie die GSX-R 750 oder die neue TL 1000 S andererseits sollen das Image preiswerter und supersportlicher Motorräder zementieren. Argumente wie aktive Sicherheit spielten bislang dagegen keine Rolle. Kein Wunder also, daß Suzuki 9 Jahre nach der Einführung des ersten Motorrad-ABS von BMW als letzter Japaner auf diesen Zug aufspringt. Im Gegensatz zu den Mitbewerbern aus Fernost wird das neue ABS aber in einem Bestseller - der Bandit 1200 - eingesetzt, allerdings nur in der halbschalenverkleideten S-Version mit der Bezeichnung SX.Das Suzuki-ABS arbeitet nach bekanntem Muster japanischer Systeme. Sensoren registrieren die Raddrehzahlen, die eine Recheneinheit verarbeitet. Blockiert ein Rad, reduzieren Magnetventile den Druck im Vorder- oder Hinterrad-Bremssystem. Eine Pumpe sorgt bei steigender Raddrehzahl wieder für Druck- und somit Bremsmomentaufbau. Die Komponenten wie das Steuergerät, die Hydraulikeinheit und die Radsensoren stammen vom japanischen Hersteller Nippon-ABS. Wie bereits aus der Yamaha FJ 1200 bekannt, sind die Zahnkränze zur Drehzahlerfassung der Räder in die Radnaben integriert. Das Mehrgewicht für das ABS gibt Suzuki mit sieben Kilogramm an. Eine Nachrüstung für bisherige Bandit-Besitzer ist leider nicht möglich. Potentielle Bandit-Kunden dürfen sich dagegen Hoffnung auf einen echten Sicherheitszugewinn machen. Egal ob bei Extrembremsungen mit der Vorder- oder Hinterradbremse oder mit beiden Rädern, die Fahrstabilität bleibt erhalten. Der Fahrer registriert allenfalls leichte Pendelbewegungen um die Hochachse, die selbst der Anfänger gut kontrollieren kann. Die Reaktionen in Hand- und Fußbremshebel signalisieren dem Fahrer durch leichtes Pulsieren, daß er sich im kritischen Regelbereich befindet. Allerdings fällt dann eine deutlich spürbare Schwankung der Verzögerung auf. Nach anfänglich starker Abbremsung treten immer wieder leichte Einbrüche ein, begleitet von intervallmäßigem Reifenquietschen. Die Gabel kommt dann in Resonanzschwingungen, die dem Rechner Drehzahländerungen am Rad und somit unterschiedlichen Schlupf signalisieren. Ein Problem, dem Honda bei der ST 1100 mit ABS mit größeren Standrohrdurchmessern begegnete. Selbst bei nasser Straße fällt diese Regelcharakteristik auf, eine Schwäche, die noch verbesserungswürdig ist, das ABS aber keineswegs in Frage stellt. Weitere Disziplinen wie extreme Reibwertsprünge meistert die Suzuki dagegen souverän. Auf die gefürchteten Bitumenflecken auf nasser Fahrbahn oder lehmverschmutzte Baustellenausfahrten reagiert die Bandit mit schnellem Bremsdruckabbau und mustergültiger Stabilität. Selbst beim Ausritt in eine feuchte Wiese bleibt die Fahrstabilität erhalten. Bei Panikbremsungen mit zwei Personen spricht das ABS zwar leicht verzögert an, und die Bandit neigt im ersten Moment dazu, das Hinterrad zu heben, stabilisiert sich aber dann wieder. Trotz kleiner Schwächen ist das Suzuki-ABS ein absoluter Sicherheitsgewinn, hat es doch bei wechselnder Fahrbahnbeschaffenheit oder geringen Reibwerten Reserven, die selbst ein routinierter Profi unter solchen Umständen nicht bieten kann. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch. Im Gegensatz zur üblichen Preispolitik von Suzuki ist das ABS mit einem Aufpreis von 2400 Mark eine Investition, die selbst sicherheitsbewußte Kunden abschrecken könnte.

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